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Glosse 3.08

Das Thema verlangt mehr als diese Glosse? Lesen Sie Culture of War

Der israelische Militärhistoriker Martin van Creveld setzt sich in seinem Buch“ The Culture of War” mit der Traditionsbildung von Streitkräften auseinander. Daraus stammt das folgende, aus dem Englischen übersetzte Zitat:

“Verglichen mit ähnlichen Institutionen in anderen Ländern, erscheinen deutsche Militärakademien, höhere Schulen (“staff colleges”) und sonstige Ausbildungseinrichtungen entleert (“empty”), nüchtern, funktional und seelenlos. Abgesehen von Überlieferungen aus der Zeit der Befreiungskriege (redakt.Hinweis: gegen Napoleon Anfang des 19. Jahrhunderts) werden fast ausschliesslich Gegenstände und Vorgänge aus der Bundeswehr-eigenen Geschichte gezeigt. Nachdem die Bundeswehr niemals im Krieg war, ist die Anregung und Emotion, die von diesen Ausstellungen ausgeht, begrenzt ...

Angesichts der schrecklichen Geschichte (Deutschlands), ist dies ganz verständlich. Andererseits ist es unbestreitbar so, dass Streitkräfte, deren Angehörige für ihr Land kämpfen und sterben, eine ´Kultur des Krieges´ entwickeln müssen ...

Man muss kein Militarist oder Rechtsextremist sein, um den eigenartigen Geruch zu bemerken, der in der Bundeswehr vorherrscht. Dieser Geruch ist eine Mischung aus unpersönlicher Bürokratie, “political correctness” und Unterwürfigkeit (“obsequiousness”, Synonym “fawning” - das Schwanzwedeln des Hundes), die sich ergibt, wenn Menschen befürchten, dass offene Worte zu unangenehmen Konsequenzen führen.

Kommentar:

Van Creveld nimmt offensichtlich keine Rücksicht auf deutsche Gefühle und Kenner der Bundeswehr werden mit berechtigter Empörung kritisieren, dass der Autor sich einer doppelten Sünde schuldig macht: Unzulässig zu verallgemeinern und im Urteil nicht das rechte Maß zu finden. Aber es hat im Zusammenhang mit der Entnamung des Jagdgeschwaders 74 “Mölders” vielfältige internationale Reaktionen gegeben, die - eher ironisch und nicht so drastisch - doch in dieselbe Richtung wie van Crevelds zitierte Beobachtung wiesen. Die Traditionsbildung der Bundeswehr allgemein, einschließlich des Falls Mölders, hat eine bisher nicht genügend beachtete internationale Dimension, nämlich als einer der Indikatoren für die Einschätzung: Welchen Beitrag (im Bündnis oder zu einer Koalition) wird Deutschland leisten und wie kommt dieser im Einsatz tatsächlich zum Tragen?

M.V.

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