Ausgewählte Rezensionen (Stand 20. Oktober 2008) des Buches :     

 

Hermann Hagena,  Jagdflieger Werner Mölders

Die Würde des Menschen reicht über den Tod hinaus

Aachen (Helios) 2008

 

 

 

DAS PARLAMENT   2

Reservistenverband „loyal“  4       

Fliegerblatt  5   

Junge Freiheit  6   

ams 11  

sicherheitpolitik aktuell 14 

Clausewitz-Gesellschaft 16 

Neues Deutschland 17 

Strategie und Technik 19 

reliwa.de 20 

Preußische Allgemeine Zeitung 21 

Pallasch  /Zeitschrift für Militärgeschichte) 23

Der Mölderianer (Ankündigung) 24 

 

 

 

 

Ausgabe 43/2008 Seite 15

 

 

 

Hans-Jürgen Leersch

Der Flieger und der »Löwe von Münster«

BUNDESWEHRTRADITION

Neue Dokumente entzerren das Bild des Jagdfliegers Mölders

Über kaum einen Angehörigen der Wehrmacht gehen die Meinungen heute so auseinander wie über den Jagdflieger Werner Mölders. Für den Bundeswehr-Offizier Jürgen Rose gehört Mölders zu den "Söldnertypen, reinen Handwerkern des Krieges und Auftragskillern". Der frühere Luftwaffen-Inspekteur Johannes Steinhoff charakterisierte Mölders dagegen als einen "bis zu seinem Tode gradlinigen und aufrichtigen Offizier, der jederzeit Vorbild für seine Untergebenen war". Das Verteidigungsministerium zog 2005 die Konsequenzen aus einem sieben Jahre zuvor gefassten Bundestagsbeschluss und einem Gutachten des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes (MGFA) und tilgte den Namen Mölders aus der Bundeswehr. Das Luftwaffen-Jagdgeschwader Mölders wurde entnamt und heißt heute nur noch "JG 74".

Die Entscheidung löste einen Sturm der Empörung in Truppe und Öffentlichkeit aus. In dem erbitterten Streit wurden auch neue Fakten über den 1941 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Mölders bekannt. Der Völkerrechtler, ehemalige Jet-Pilot und frühere stellvertretende Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Hermann Hagena, hat Vorwürfe, Theorien und Fakten im Streit um Mölders zusammengetragen und dabei viel in der Öffentlichkeit noch nicht bekanntes Material über den Flieger zu Tage befördert.

Der Bundestag hatte aus Anlass des 60. Jahrestages der Bombardierung der Stadt Guernica gefordert, Angehörigen der im spanischen Bürgerkrieg kämpfenden deutschen "Legion Condor" kein ehrendes Andenken mehr zu erweisen. Mölders gehörte zu Legion, war aber nicht an dem Angriff auf Guernica beteiligt.

»Legitime Ziele«

Über Mölders wurde jedoch regelmäßig auch vom Verteidigungsministerium in Berlin verbreitet, er sei an Luftangriffen auf Zivilisten beteiligt gewesen. Besonders oft war von der Zerstörung der Stadt Corbera durch die "Legion Condor" die Rede. Hagena weist in seiner umfangreichen tagebuchähnlichen Darstellung der Schlacht um den Ebrobogen nach, dass Corbera von Artillerie zerstört war, als die Flugzeuge der Legion dort kämpften. Er zog Unterlagen des Auswärtigen Amtes und die Untersuchungsberichte des Völkerbundes hinzu und kommt zu dem Ergebnis, "dass die Legion Condor ihren Bombenluftkrieg während der Ebroschlacht auf ,legitime' Ziele (Häfen, Bahnhöhe, Brücken) konzentrierte".

Eine besondere Rolle im Mölders-Streit spielte das MGFA-Gutachten, das angeblich neue Erkenntnisse brachte, die zur Entnamung des Geschwaders führten. Hagena weist dem MGFA oberflächliche Recherche, falsche Angaben und lediglich eine Umbewertung längst bekannter Quellen zu Lasten von Mölders nach. Wie schlampig beim MGFA gearbeitet wurde, zeigt sich an der Angabe, über Spanien seien 21 Millionen Tonnen Bomben abgeworfen worden. Das wären drei Mal so viele Bomben wie im gesamten Zweiten Weltkrieg gewesen.

Hagena legt darüber hinaus neue Dokumente über Mölders' katholischen Glauben und seine Unterstützung für Juden in Brandenburg, wo der Flieger zur Schule gegangen war, vor. Wenn das Gutachten davon spricht, Mölders sei durch "Gehorsam, Pflichtbewusstsein und Opferwilligkeit" veranlasst worden, wie "die deutschen Katholiken" für Hitler zur Waffe zu greifen, so beschreibt Hagena Mölders als Menschen, der eng mit dem Münsteraner Bischof von Galen, einem entschiedenen Gegner des Nazi-Regimes, verbunden war. So belegt das 2006 aufgefundene Tagebuch eines Kaplans, der bei von Galen arbeitete, den Einsatz des Fliegers bei Hitler für den Bischof, der im Volk den Namen "Der Löwe von Münster" trug.

Hagenas Absicht war eine Widerlegung des MGFA-Gutachtens. Herausgekommen ist weit mehr: eine Biografie mit wichtigen neuen Dokumenten und im Endergebnis auch die innenpolitische Rehabilitation des Jagdfliegers.

Hermann Hagena:

Jagdflieger Werner Mölders. Die Würde des Menschen reicht über den Tod hinaus.

Helios Verlag, Aachen 2008; 229 S., 19,90 €

 

 

 

 

 

 

Wappen des ReservistenverbandesRESERVISTENVERBAND

Loyal 07/08

 

 

Servatius Maeßen ist Generalmajor a.D. und ehemaliger Generalsekretär des Reservistenverbandes

 

 

 [GL  a.D. Peter Vogler ist Präsident der Gemeinschaft Flieger Deutscher Streitkräfte.

(Fliegerblatt 2/08 S.87)

 

Junge Freiheit 30/08

Sein Verbrechen war die Zeitzeugenschaft

Der Militärhistoriker Hermann Hagena rückt mit seiner quellengesättigten Replik auf ein MGFA-Gutachten über den Jagdflieger Werner Mölders das herabwürdigende Urteil wieder zurecht

Horst Boog

Dr. Horst Boog,

ehemaliger leitender wissenschaftlicher Direktor des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes in Freiburg, ist Herausgeber der Bände „Luftkriegführung im Zweiten Weltkrieg. Ein internationaler Vergleich“ (1992) und Verfasser des Beitrages zum Luftkrieg im Schlußband 10 der MGFA-Reihe über den Zweiten Weltkrieg. Für die NDB (Neue Deutsche Biographie) verantwortete er den Beitrag zu Werner Mölders.

 

Hermann Hagena, Historiker, promovierter Völkerrechtler, ehemals stellvertretender Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, Brigadegeneral a.D. und Jet-Pilot, der nicht nur vom grünen Tisch her urteilt, sondern auch aus praktischer Erfahrung, hat eine dankenswerte, sehr gründliche Analyse des Gutachtens zum Jagdflieger Werner Mölders (1913-1941) vorgelegt. Zweifellos hatte er, wie er auch selbst zugibt, mehr Zeit für seine Recherchen als der Historiker des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes (MGFA), Oberstleutnant Wolfgang Schmidt, der 2004 mit einem Gutachten wegen geschichtspolitischer Unklarheiten beauftragt worden war. Auch deshalb ist Hagenas kritische Analyse des Gutachtens viel umfassender und glaubwürdiger. Unter Zeitdruck ist eben gründliche geschichtswissenschaftliche Arbeit nicht zu leisten

Hagena geht es um die „Korrektur eines Zerrbildes“ von Mölders, das zur „Entnamung“ des nach diesem benannten Jagdgeschwaders 74 geführt hatte. Seine Kritik an dem dem Gutachten zugrunde liegenden Mölders-Bild faßt er in zwei ausführlichen Kapiteln zusammen; einmal in dem über die Legion Condor und den Spanischen Bürgerkrieg, wo Mölders in Kriegsverbrechen verstrickt gewesen sein soll, und dann unter dem Gesichtspunkt von dessen Einstellung zum NS-Regime, ob er also regimekritisch oder gar „widerständig“ gewesen sei. Schließlich wird der Verlauf der „Affäre Mölders“ im Rahmen der Problematik des Traditionsverständnisses der Bundeswehr sehr sachlich und chronologisch nachgezeichnet. Am Ende der einzelnen Abschnitte werden die Ergebnisse kurz und klar zusammengefaßt. Überhaupt ist die Sprache Hagenas unzweideutig. Vermutungen und Annahmen aus Mangel an Beweisen wie im Gutachten kommen kaum vor. Am Ende werden nach einem Literatur- und Namensverzeichnis noch die Richtlinien zum Traditionsverständnis der Bundeswehr von 1982 und das Mölders-Gutachten des MGFA vom 30. Juni 2004 abgedruckt, so daß man dessen Wortlaut immer mit den Kritikpunkten Hagenas vergleichen kann. Entgegen Schmidts Bemühungen, durch eine Art „Kriminalisierung“ der Tätigkeit der Legion Condor im Spanischen Bürgerkrieg auch Mölders als Angehörigen dieses Verbandes als von vornherein traditionsunwürdig hinzustellen, argumentiert Hagena unter Rückgriff auf Veröffentlichungen des Völkerbundes zum Bombenkrieg in Spanien, auf die Akten zur deutschen Auswärtigen Politik über Deutschland und den Spanischen Bürgerkrieg sowie zahlreiche andere Publikationen, die der Gutachter offensichtlich nicht herangezogen hat, folgendermaßen: Es gibt keinen Nachweis, daß Deutschland die Intervention in Spanien als Probelauf für den Zweiten Weltkrieg „bewußt gesucht“ hätte. Generalstabschef Ludwig Beck habe damals sogar einen europäischen Krieg befürchtet, auf den man nicht vorbereitet war. Die Furcht vor einem bolschewistischen Spanien war auch in anderen Ländern Europas verbreitet und somit nicht nur Vorwand für das schließliche Eingreifen. Die Luftwaffe konzentrierte sich in Spanien auf die auch nach den damals allgemein anerkannten Luftkriegsregeln zulässige direkte und indirekte Heeresunterstützung im Operationsgebiet, wie auch amtliche ausländische Publikationen (zum Beispiel British Air Ministry: The Rise and Fall of the German Air Force, 1983) feststellen. Dabei konnten natürlich auch Zivilisten in Mitleidenschaft gezogen werden. Für einen strategischen Bombenkrieg, geschweige denn bewußten Terrorkrieg, gibt es keinen Hinweis. Man stand letzterem damals in der Luftwaffe ablehnend gegenüber. Und um für den strategischen Bombenkrieg Erfahrungen zu sammeln, fehlte laut „Auswertestab Rügen“ der Legion ohnehin die ausreichende Anzahl von Bombern.

Die Kritik des Gutachters Schmidt an der Feststellung des Rezensenten in der Mölders-Kurzbiographie für die Neue Deutsche Biographie (Band 17) von 1994, die Furcht vor dem Bolschewismus habe damals eine Rolle gespielt, entbehrt aufgrund der mageren Quellenlage einer Grundlage; und bei der Verurteilung mancher im Kampfgeschehen vorkommender Verletzungen humanitärer Grundsätze durch Bomben sollte man sich mit Vorsicht auf die sogenannte Martensche Klausel in der Präambel der Haager Landkriegsordnung von 1907 berufen, der zufolge neue Waffen, über deren Gebrauch es noch keine internationalen Abmachungen gebe, nur im Rahmen des herkömmlichen humanitären Völkerrechts angewendet werden sollen.

Das hielten die Vertragschließenden nur für „zweckmäßig“ und nicht für absolut bindend, denn keiner wollte sich die Vorteile einer neuen Waffe, wie es der Bomber war, von vornherein aus der Hand nehmen lassen. Die Engländer erkannten die Landkriegsordnung für den Luftkrieg erst 1958 teilweise an. Die Royal Air Force besaß auch 1988 noch kein Law of War Manual. Mit Guernica hatte Mölders nichts zu tun, was im Gutachten auch nicht behauptet wird. Er stieß erst ein Jahr später zur Legion Condor. Weil aber der Bombenangriff auf Ziele in der Stadt mit seinen gewiß bedauerlichen Folgen seit langem von interessierter Seite als geplanter Terrorangriff der Legion hingestellt und damit als abträglich für das Ansehen aller ihrer Angehörigen, also auch für Mölders angesehen wird, untersucht Hagena dieses Ereignis sehr genau. Zunächst bekräftigt er noch einmal das auch aus ausländischer wissenschaftlicher Literatur hinlänglich Bekannte, nämlich daß es sich um einen Angriff auf eine Straßenbrücke am Rande des Ortes und eine Straßengabelung in einem Vorort gleich daneben im Rahmen der „interdiction“ (Gefechtsfeldabschnürung) zur Blockierung der gegnerischen Rückzugsbewegung auf Bilbao handelte, was zulässig war, und weist dann zusätzlich zeichnerisch nach, daß die beiden Angriffsschneisen des insgesamt 22 Flugzeuge, meist Ju 52-Behelfsbomber umfassenden Verbandes sich über der Brücke kreuzten, womit die Angriffsabsicht klar sein dürfte. Also kein geplanter Flächenangriff. Der geringe Anteil von Brandbomben an der etwa dreißig Tonnen schweren Gesamtbombenmenge ist, was schon der in England lehrende Hans-Henning Abendroth vor etwa zwanzig Jahren nachgewiesen hat, kein Indikator für einen beabsichtigten Terrorangriff, denn diese sogenannte „Generalstabsmischung“ wurde von der Legion auch gegen andere Ziele, wie zum Beispiel Brücken über größere Flüsse, angewandt.

Wie leicht bei den damaligen Zielgeräten eine Bombenladung fehlgehen konnte, zeigt Hagena mit einer Skizze des Angriffs auf eine Behelfsbrücke über den Ebro bei Ginestar, wo sie geschlossen in freies Feld fiel. Hätte sich dort eine Ortschaft befunden, hätte die gegnerische Propaganda daraus sicher einen geplanten Terrorangriff gemacht. Es wird ferner darauf hingewiesen, daß General Franco im Hinblick auf die Zeit nach der Auseinandersetzung mit den Roten kein Interesse hatte, spanische Städte mit Vorbedacht zerstören zu lassen, was damals auch im Oberkommando der Wehrmacht so gesehen wurde. Im Zusammenhang mit Guernica sei an eine Feststellung in den Memoiren des Befehlshabers des britischen Bomber Command, Arthur T. Harris erinnert, der schrieb, die Briten hätten zur Blockierung des deutschen Vormarschs in Frankreich 1940 und des deutschen Rückzuges dort 1944 immer die Häuser, vornehmlich an Straßenkreuzungen, in den Städten bombardiert wegen der anfallenden Trümmer. Anders sei dies aus der Luft nicht möglich. Man denke auch an die Zerstörung der Städte Jülich, Düren, und Heinsberg am 16. November 1944 im Rahmen der taktischen Luftunterstützung der vorrückenden alliierten Bodentruppen; dies nicht zur „Rechtfertigung“ Guernicas, sondern um für eine realistische Betrachtungsweise deutlich zu machen, was damals kriegsvölkerrechtlich, wenn auch nur im Rahmen der manchmal schwer zu beurteilenden militärischen Notwendigkeit und der Verhältnismäßigkeit, möglich war (hierzu H.M. Hanke: Luftkrieg und Zivilbevölkerung, Frankfurt/Main 1991). An den Kämpfen im Ebro-Bogen und bei Corbera 1938 war Mölders als Jagdflieger beteiligt. Hagena weist mit Recht darauf hin, daß die Hauptaufgabe von Jägern der Kampf um die Luftüberlegenheit gegen feindliche Jäger und der Schutz der Bomber war und ist, und nicht die Beschießung von Zivilisten, wie manchmal insinuiert wird. Zu den Kämpfen selbst zieht er zusätzlich zu den bereits oben genannten Akten auch solche des spanischen Kriegsministeriums und Publikationen ehemaliger Angehöriger der Gegenseite hinzu. Es finden sich dort keinerlei Hinweise, daß die Legion Condor in der Ebro-Schlacht gezielt die Zivilbevölkerung angegriffen hätte, wie im Gutachten und in den ARD-„Kontraste“-Sendungen im Fernsehen behauptet wurde. Vielmehr konzentrierten sich die Bomber auf zulässige Ziele wie Brücken, Hafenanlagen und Bahnhöfe. Als abwegig weist Hagena die im Gutachten aufgestellte Behauptung zurück, wegen der Ununterscheidbarkeit von Soldaten und Zivilisten und der großen Verluste sei die Ebro-Schlacht das Verdun des Spanischen Bürgerkrieges gewesen. Schon von den Dimensionen her hinke dieser Vergleich. Außerdem sei die Gegend dort immer schon dünn besiedelt gewesen, und während in den Städten wie Madrid oder Barcelona die Milizen von der Kleidung her kaum von Zivilisten getrennt werden konnten, traten die Republikaner am Ebro in geschlossenen uniformierten Verbänden auf. Die Stadt Corbera, die öfter den Besitzer wechselte, sei vor allem durch Artilleriefeuer und nicht durch Bomben zerstört worden. Ortsbeschießungen bei militärischer Notwendigkeit waren im übrigen, wie erwähnt, im Kampfgebiet durchaus zulässig. Völliger Unsinn sei Schmidts Behauptung, im Spanischen Bürgerkrieg seinen 21 Millionen Tonnen Bomben abgeworfen worden. Tatsächlich wären dies achtmal mehr, als im Zweiten Weltkrieg in Europa fielen. Daß hier etwas nicht stimmen konnte, hätte dem Gutachter auffallen müssen. Ebenso unsinnig ist die Feststellung im Gutachten, die deutschen Flugzeugführer hätten „weitgehend ohne Hemmungen“ ihre Einsatzaufgaben erfüllt und „den Tod von Zivilisten billigend in Kauf genommen“. Auch darüber gebe es keinerlei Hinweise in den Berichten der Völkerbundskommission.

Zu dem zweiten großen Abschnitt zur Frage der „Widerständigkeit“ gegen das NS-Regime stellt Hagena zutreffend fest, Schmidt sei alles glaubhaft, was Mölders belasten könnte, dagegen erfunden, phantastisch, absurd, hochspekulativ oder im Sinne der eigenen Hypothesen umgedeutet, was ihn entlastet. Manchmal werde im Gutachten nur „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ argumentiert. Katholiken seien aufgrund ihres Glaubens und ihrer Moralvorstellungen nur zu bereit gewesen, für Hitler-Deutschland ihr Leben einzusetzen. Dies gelte nicht zuletzt für den Bund Neudeutschland (vom Gutachter fälschlich als „Neues Deutschland“ bezeichnet), dem Mölders einmal angehörte. Diesem Bund gehörten allerdings auch Widerständler des 20. Juli 1944 wie Pater Alfred Delp und Helmuth James Graf von Moltke an. Frühzeitig, so Hagena, erkannte man dort den antichristlichen Charakter des Nationalsozialismus, wenn auch nicht sogleich das Ausmaß der daraus folgenden Verbrechen. Nationales Denken, wie es im Bund verbreitet war, bedeutete nicht auch nationalsozialistisches Denken. Außerdem sei der Bund 1939 als „staatsfeindlich“ aufgelöst worden. Der Kontakt Mölders zu dem Münsteraner Bischof Clemens August Graf von Galen, der sich 1941 mutig von der Kanzel gegen die Euthanasie und die zunehmende Rechtlosigkeit in Deutschland wandte, wird von Schmidt schon dadurch abgewertet, daß er diesen als „dem völkischen Denken verhaftet“ beschreibt. Überhaupt wird der Kontakt in Frage gestellt. Hagena weist nun unter anderem durch das Tagebuch des Sekretärs des Bischofs und andere Belege nach, daß es diese Verbindung tatsächlich gab und daß Mölders Hitler bei der Verleihung der damals höchsten deutschen Tapferkeitsauszeichnung gebeten habe, von Galen „in Ruhe zu lassen“, was nachweislich auch geschah. Der vom britischen Geheimdienst 1942 erfundene falsche Mölders-Brief an einen fiktiven Geistlichen sei nicht, wie der Gutachter meint, verfaßt worden, um „die katholischen Soldaten im opferbereiten Kampf ums Vaterland“ zu ermutigen (das wäre ja geradezu kontraproduktiv zur englischen Absicht), sondern in Kenntnis der tiefen Religiosität des inzwischen toten Fliegerobersten sollte in der deutschen Bevölkerung das Mißtrauen gegen Gestapo, SS und NS-Regime geschürt, der christliche Glaube gestärkt und die Kriegsbereitschaft geschwächt werden. Als Beleg für eine NS-Kon-formität läßt sich, so das überzeugende Urteil Hagenas, dieser Brief nicht interpretieren. Glaubhaft kann Hagena mit Hilfe des Centre Historique des Archives Nationales auch das Eintreten von Mölders bei Göring für die Schonung eines Franzosen machen, der den Jagdflieger bei der Gefangennahme im Westfeldzug malträtiert hatte. Zu einem weiteren die Person Mölders „bemäkelnden“ Vorwurf des Gutachters, er sei eitel gewesen und habe sich in den Dienst der NS-Kriegspropaganda gestellt, steht die gängige Praxis aller Staaten im Umgang mit ihren „Kriegshelden“ entgegen. Zudem dürfte der Stolz eines jungen Offiziers auf seine Erfolge kein Alleinstellungsmerkmal von Mölders gewesen sein. Es ist in diesem Zusammenhang erstaunlich, daß die vielen positiven Äußerungen ehemaliger Fliegerkameraden über den Menschen Mölders wie etwa die des späteren Generals und Luftwaffeninspekteurs Günther Rall in dem Gutachten keine Erwähnung finden. Eigenartig auch das Bemühen des Gutachters, Fritz von Forell, der mehrmals im und nach dem Krieg - wenn auch mit einigen Änderungen - die Feder zugunsten von Mölders ergriffen hat, als „extrem nationalistisch“ hinzustellen, obwohl dieser 1936 den NS-Lehrerbund verlassen hatte, nach dem 20. Juli verhaftet und in ein Straflager für Offiziere eingewiesen worden war. Um dies zu erfahren, hätte er nur bei dessen Tochter nachfragen müssen. Im übrigen muß nicht auch für Mölders gelten, was damals hinsichtlich der positiven Einstellung von Forells zum Nationalsozialismus zugetroffen haben mag. Schließlich beseitigt Hagena noch anhand von Originalschreiben und späterer Kontaktaufnahme mit einer überlebenden Angehörigen die Zweifel des Gutachters an der Hilfe Mölders‘ für einen jüdischen Schulfreund und dessen Familie.

Hier darf der Rezensent noch in eigener Sache erwähnen, daß auch das Infragestellen seiner in der erwähnten Mölders-Kurzbiographie gemachten Äußerungen durch den Gutachter, Mölders habe sich im Jahre 1941 vorausschauend für eine generelle Verstärkung der deutschen Jagdfliegerkräfte zusammen mit dem Generalstabschef der Luftwaffe Hans Jeschonnek, dem Generalluftzeugmeister Ernst Udet und anderen eingesetzt und wäre aufgrund seiner ethischen Anschauungen möglicherweise in Konflikt mit dem NS-Regime geraten, hätte er länger gelebt, auf mangelnder Recherche beruht. Hätte Schmidt das von ihm benutzte Buch des Rezensenten über die Luftwaffenführung gründlicher gelesen, dann hätte er daraus entnehmen können, daß im Spätsommer/Herbst jenes Jahres die Denkschrift des Flugzeugindustriellen Friedrich Wilhelm Siebel vom Oktober 1940 zum zweiten Mal im Luftwaffengeneralstab diskutiert und dann Hitler vorgelegt wurde, der die darin erhobene Forderung nach Vermehrung der Jagdkräfte angesichts der zu erwartenden gewaltigen amerikanischen Bomberkräfte, vor denen inzwischen auch der Militärattaché in den USA Friedrich von Boetticher warnte, jedoch ablehnte, weil er schon den Sieg in der Tasche zu haben glaubte. Daß ein Inspekteur der Jagdflieger - aller Jagdflieger -, der Mölders inzwischen war, sich mit der Gesamtsituation seiner Waffe befassen mußte, ist einleuchtend, wenn auch nicht für den Gutachter, der meint, ihm sei es nur um die Jagdkräfte in Rußland gegangen, wo er im Süden den Jagdfliegereinsatz beim Durchbruch zur Krim leitete. Es ist an dieser Stelle nicht möglich, das von Hagena klar und übersichtlich geschilderte Bemühen der Bundeswehr um ein glaubhaftes Traditionsverständnis im Zusammenhang mit der zeitgeistigen Kampagne um die Aberkennung der Traditionswürdigkeit des Oberst Werner Mölders zu kommentieren. Die Darlegung liest sich spannend wie ein Kriminalroman. Am Ende scheint doch erfreulicherweise die Möglichkeit einer Neubewertung seines Falles auch im Verteidigungsministerium auf. Man fragt sich jedoch, wie bei diesem Hin und Her ein echtes Gefühl für Tradition durch Beispiele in der Truppe entstehen soll, das der Israeli Martin van Creveld in seinem Buch über „Kampfkraft“ (1996) früher bei den Deutschen so schätzte und das stärker ist als der natürlich auch nötige, aber etwas hühnerbrüstige bloße „Verfassungspatriotismus“.

Hagena ist jedenfalls zuzustimmen, wenn er schreibt: „Mölders war ein tapferer, pflicht- und verantwortungsbewußter Offizier, der bereit war, für sein Vaterland zu kämpfen und sich dafür zu opfern, aber sicherlich nicht für den Nationalsozialismus und den ‘Führer’ persönlich. Wenn seine Haltung - und die vieler seiner Kameraden - von den Nationalsozialisten mißbraucht oder ‘instrumentalisiert’ wurde, so macht ihn das nicht zum ‘NS-konformen Soldaten’.“ Ob der Mölders-Gutachter dem von einer rot-grünen Politik seit Jahren vorliegenden Beschluß gefolgt ist oder seinem politisch-korrekten erkenntnisleitenden Interesse, ist letztlich egal, weil sich beides entspricht. Ob bei feststehendem, politisch-ideologisch motiviertem Beschluß zur „Entnamung“ nach Jahren noch eine, wenn auch angeblich nicht intendierte, so doch faktische, im  Ausland mit ungläubigem Staunen verfolgte Herabwürdigung der Person Mölders nötig war, muß bezweifelt werden.

Hagena hat mit seiner kritischen Analyse des Mölders-Gutachtens hervorragende Aufklärungsarbeit geleistet und die Dinge vom Kopf wieder auf die Füße gestellt. Sein Buch ist nicht zuletzt den zeitgeistigen Traditionsideologen in Politik, Bundeswehr und Medien zu empfehlen, damit sie wieder zu vernünftigen und realistischen Beurteilungsmaßstäben gelangen. Das „wissenschaftliche“ Mölders-Gutachten ist dem international guten wissenschaftlichen Ruf des Militär-geschichtlichen Forschungsamtes sicher nicht förderlich gewesen.

 

Hermann Hagena: Jagdflieger Werner Mölders. Die Würde des Menschen reicht über den Tod hinaus. Mölders-Gutachten des MGFA vom 30.6.04. Helios Verlag, Aachen 2008, gebunden, 230 Seiten, Abbildungen, 19,90 Euro

 

Junge Freiheit Nr. 30/08 vom 18. Juli 2008, S. 18 - 19

 

 

 

 

Newsletter 02/08

Jagdflieger Werner Mölders

Hermann Hagena (2008): Jagdflieger Werner Mölders, Die Würde des Menschen reicht über den Tod hinaus. Aachen: Helios, 229 Seiten, 19,90 Euro.

Der Luftwaffengeneral im Ruhestand Dr. Hermann Hagena liefert mit seinem Buch Jagdflieger Werner Mölders, Die Würde des Menschen reicht über seinen Tod hinaus einen interessanten Diskussionsbeitrag zu einem hoch sensiblen Thema: dem Traditionsverständnis der Bundeswehr und ihre Position zu Soldaten der Wehrmacht, welche ehrendes Gedenken erfahren. Im Kapitel um die Entfernung des Ehrennamens Mölders für ein Jagdgeschwader der Luftwaffe hat sich die Politik nicht mit Ruhm bekleckert. Auch die beteiligten Parteien der Befürworter und Gegner dieses Schrittes haben im Rahmen ihrer Auseinandersetzungen viel ?Porzellan? zerschlagen bis hin zu persönlichen Beleidigungen und niedrigen Beschimpfungen in den Medien. Umso erfreulicher ist es, dass Herman Hagena mit seinem Buch versucht, die Diskussion wieder auf eine sachliche Ebene zurückzuführen. Präzise und detailreich versucht der Autor, die Vorwürfe gegen Mölders, welche am Ende zur ?Entnamung? führen sollten, zu widerlegen. Die Argumentation wird durch umfangreiches Quellenmaterial und die Detailkenntnis des Verfassers gestützt.

Es gelingt Hagena, aufgrund intensiver Quellenarbeit die konkreten Vorwürfe gegen Mölders zu entkräften, welche sich auf die völkerrechtswidrige Bombardierung ziviler Ziele und den damit verbundenen Begriff des ?Terrorkriegs? gegen die Zivilbevölkerung beziehen. Der Jagdflieger war weder an der Bombardierung des spanischen Corberas beteiligt noch an einem Terrorkrieg gegen die spanische Bevölkerung im Kriegsgebiet. Mit diesem Urteil steht der Autor keineswegs allein. In Antony Beevors Monographie Der Spanische Bürgerkrieg kommt der britische Historiker ebenfalls zu dem Schluss, dass es keine Kriegsverbrechen in Spanien durch die Legion Condor gab. Mölders einzige historische Schuld besteht sozusagen darin, freiwilliger Angehöriger der Legion Condor gewesen zu sein. Sein militärisches Handeln während des Spanischen Bürgerkrieges lässt sich jedoch mitnichten mit Kriegsverbrechen oder Terrorangriffen gegen die Zivilbevölkerung verbinden. Mölders traf z. B. erst ein Jahr nach Guernica in Spanien ein.

Als erfolgreichster deutscher Jagdflieger in Spanien mit 14 Abschüssen und deshalb von Hitler hoch dekoriert und von Göbbels Propagandamaschinerie entsprechend hervorgehoben, ist seine Rolle und Bedeutung für die Legion Condor nicht zu marginalisieren. Dies ist die offizielle Begründung, weshalb Mölders nicht mehr ehrungswürdig ist. Deshalb unternimmt der Verfasser auch einen Ausflug dahingehend, sich über das Traditions- und Geschichtsbewusstsein der Bundeswehr im Klaren zu werden. Hier warnt Hagena, dass Soldaten, denen traditionswürdige Vorbilder genommen werden, eigene Wege gehen. Sie suchen sich Vorbilder ohne politische Kontrolle, ob die dann getroffene Wahl im Sinne des erlaubten Traditionsverständnisses der Bundeswehr ist und diese Idole auch wirklich traditionswürdig sind. Der Autor möchte mit dieser Argumentation eine Anregung zur Diskussion über den Wandel der Traditionspflege in der Bundeswehr geben. Eine Armee der Einsätze, welche die Bundesrepublik im Ausland vertritt und ein Bild von Deutschland vermittelt, benötigt klare moralische Säulen, um das Ansehen Deutschlands im Ausland zu pflegen. Eine dieser Säulen sollte eine eindeutige, die Soldaten nicht verunsichernde, sondern mit Stolz erfüllende Traditionspflege sein.

 

Hagena liefert mit seinem Buch einen ruhigen Beitrag in einer aufgeheizten Diskussion. Die Auseinandersetzungen zwischen den politischen Richtungen von Links bis Rechts um die Deutungshoheit im Rahmen ehrendes Gedenken von historischen Personen ist ein beliebtes Mittel, dem politischen Gegner schnell und leicht schaden zu können. Dies ist vor allem deshalb so leicht, da mit aller Macht Politik auf dem Rücken von Personen ausgetragen wird, welche historisch umstritten sind und zu den Vorwürfen zumeist auch keine Stellung mehr nehmen können. Die politischen Strömungen in Deutschland werden diese Auseinandersetzungen um die historische Deutungshoheit jedoch weiter führen, wie z. B. auch die Auseinandersetzungen in Berlin um eine Rudi-Dutschke-Straße beweisen; daran wird auch Hagenas Buch nichts ändern.

Ihm gelingt es jedoch, die Würde des Menschen Werner Mölders zu wahren und ihn nicht als nationalsozialistischen Massenmörder a la Guernica im Namen der political correctness zu überzeichnen. Das Möldersbild, welches der Autor abbildet, lässt es somit zumindest fragwürdig erscheinen, dass dem Geschwader der Ehrenname entzogen wurde.

Ulf Riehl ist Mitarbeiter am Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Buch-Rezenzion:

 

„Jagdflieger Werner Mölders. Die Würde des Menschen reicht über

den Tod hinaus“

Von Hermann Hagena: Herausgegeben von den Möldersfreunden Bonn. Helios-Verlag

2008

 

Oberst Mölders – haftbar für die Irrungen und Wirrungen seiner Zeit?

 

Fliegerhorst Neuburg/Donau, 11. März 2005, 10.00 Uhr. Die Angehörigen des Jagdgeschwaders 74 „Mölders“ sind zu einem Appell angetreten. Nach einer kurzen Rede des Divisionskommandeurs wird das Band „Mölders“ von der Truppenfahne entfernt, statt dessen wird ein schwarzes Fahnenband „JG 74” angebracht. Zweiunddreißig Jahre lang haben die Soldaten mit Stolz das vom Bundespräsidenten gestiftete Ärmelband „Geschwader Mölders“ getragen, jetzt muss es abgetrennt werden.

Als Werner Mölders, erfolgreichster Jagdflieger und jüngster Oberst der Luftwaffe, am 22. November 1941 bei einem Flugzeugabsturz ums Lebens kam, war er 28 Jahre alt. Mit 17 hatte er sich zur Reichswehr gemeldet, als Jägerpilot ging er 1938 zur Legion Condor nach Spanien, im Krieg war er in der Luftschlacht um England und in Russland eingesetzt.

Seine Leistungen als Flugzeugführer und als fürsorglicher Vorgesetzter waren Anlaß Anfang der 70er Jahre einen Zerstörer der Marine, eine Luftwaffenkaserne und das Geschwader in Neuburg nach ihm zu benennen. Bundespräsident Heinemann und Verteidigungsminister Leber stimmten zu. Dreißig Jahre nahm niemand an dem legendären Namensgeber, der auch bei den ehemaligen Kriegsgegnern bis heute in hohem Ansehensteht, Anstoß. Was war geschehen, dass man ihm nun die Traditionswürdigkeit aberkannte?

Geschehen war eigentlich nicht viel. Es hatte lediglich die PDS-Fraktion eine Zufallsmehrheit an einem Freitag-Nachmittag genutzt, um im Bundestag einer allgemein gehaltenen Resolution zur Bombardierung Guernicas handstreichartig einen scharfen Stachel hinzuzufügen, der lautete, Mitgliedern der Legion Condor nicht weiter ehrendes Gedenken zuteil werden zu lassen. „Bereits erfolgte Kasernenbenennungen sind aufzuheben“. Als über die Resolution abgestimmt wurde, saßen knapp 30 Abgeordneten im Saal, darunter ein einziger CDU-Abgeordneter. Es blieb bis heute die einzige Abstimmung, die von der PDS gewonnen wurde. Zugespitzt formuliert, könnte man sagen: Unsere großen Demokraten Heinemann und Leber, sowie mehrere Generationen von Bundeswehrsoldaten, die Mölders als Vorbild respektierten und noch respektieren, wurden ausgerechnet von den Erben einer Partei ins Unrecht gesetzt, die Jahrzehnte lang ebendiese Demokratie und ihr Militär bekämpft und diffamiert haben. Teile dieser Partei haben offenbar bis heute kein entspanntes Verhältnis zur Bundeswehr gefunden, anders ist nicht erklären, dass eine PDS-Bundes-tagsabgeordnete es „lächerlich“ findet, wenn Rekruten der deutschen Demokratie feierlich Treue geloben.

Das Verteidigungsministerium machte sich die Sache nicht leicht, es dauerte sieben Jahre, ehe der Beschluss des Bundestages umgesetzt wurde. Den Ausschlag gab wohl ein Gutachten des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes (MGFA). Es bringt alles in allem keine wirklich neuen Fakten, schon gar nicht wird Mölders irgendein Fehlverhalten nachgewiesen, aber die bekannten Fakten werden jetzt zu seinen Ungunsten bewertet. Während Heinemann noch die Weisheit besessen hatte, einen jungen Offizier des Jahres 1938 nicht rückblickend für die Politik des Dritten Reiches haftbar zu machen, wird nun Mölders für die Entschluss Hitlers, im spanischen Bürgerkrieg zu intervenieren, gewissermaßen in Regress genommen.

Der ehemalige Luftwaffengeneral Hagena war unerschrocken genug, den Versuch zu wagen, diese Interpretation zu widerlegen, dabei ist es ihm gelungen, nicht nur spannend zu schreiben, sondern in unermüdlichen Quellenstudium eine Fülle neuer Aspekte zu erschließen, die den Mutmaßung wecken, dass sich das Urteil des MGFA nicht halten lässt. Weder stand Mölders dem Nationalsozialismus nahe, noch hat er Kriegsverbrechen begangen. Hagena verzichtet darauf, die Frage zu stellen: Wer eigentlich ist heute kompetent und legitimiert, mit der Wucht eines in 60 Jahren angesammelten Besserwissens über einen 25-jährigen Flieger, der sich selbst nicht wehren kann, den Stab zu brechen?

Den Antrag der PDS gegen Mölders hat ein ehemaliger Offizier mit getragen, der allerdings das Glück hatte, 65 Jahre länger zu leben und im hohen Alter noch Bundestagabgeordneter zu werden: Heinrich Graf von Einsiedel, Ur-Enkel Bismarcks, ebenfalls ein Jagdflieger-As, war an dem Luftangriff auf Rotterdam im Mai 1940 beteiligt; beteiligt war er auch an den Luftangriffen auf Stalingrad im August 1942, die 40 000 Menschen das Leben kosteten. Am 30. August 1942 wird er abgeschossen. In sowjetischer Gefangenschaft wandelt er sich zum leidenschaftlichen Hitler-Gegner und ist Mitbegründer des „Nationalkomitees Freies Deutschland“. 1948 bricht er mit dem Kommunismus und geht nach Westdeutschland. Den Antrag für die PDS begründet hat der Schriftsteller und damalige Bundestagsabgeordnete Gerhard Zwerenz – in seiner Rede bezeichnet er Mölders als „hitlergehorsamen Franco-Söldner“. Zwerenz selbst ist 1942 – da war Mölders schon ein Jahr tot – freiwillig in die Wehrmacht eingetreten, die er später als „faschistisch“ brandmarken wird. Er desertiert 1944 vor Warschau. 1948 tritt er in die Volkspolizei ein, 1949 in die SED, die er 1957 wieder verlässt. Beide, Einsiedel wie Zwerenz, sind offensichtlich die Irrwege des 20. Jahrhunderts aus Überzeugung eine Strecke weit mit gegangen – es ehrt sie, dass sie sich aus ideologischen Verstrickungen lösten. Warum sie ihrem Kameraden, dem überzeugten Christen Werner Mölders, nicht zutrauten, sich ebenfalls zu einem Demokraten zu wandeln, wäre ihm die Gnade des längeren Lebens vergönnt gewesen, haben sie für sich behalten.

Wie immer man zu der Problematik militärischer Vorbilder steht, Herrmann Hagena – einst F-104-Pilot – hat einen wichtigen und anrührenden Beitrag zu diesem Thema vorgelegt.

(hk)  Heinz Kluss ist Oberst a.D. und Publizist

 

 

   CLAUSEWITZ-GESELLSCHAFT e.V.

 

Rezension „Jagdflieger Werner Mölders“

Rundschreiben der Clausewitz-Gesellschaft e.V. Juli 2008

Drei Jahre nach der Entscheidung von Verteidigungsminister Dr. Hans-Peter Struck, das JG 74 „Mölders" und die „Werner Mölders Kaserne" in Visselhövede umzubenennen, hat unser Mitglied Brigadegeneral aD Dr. Hermann Hagena mit „Jagdflieger Werner Mölders – Die Würde des Menschen reicht über den Tod hinaus" die längst überfällige, umfassende Auseinandersetzung mit diesem einmaligen, Streitkräfte und Öffentlichkeit seinerzeit bewegenden Vorgang vorgelegt.

Seine Arbeit besticht durch Sachlichkeit, differenzierende Betrachtung und eine außergewöhnlich umfassende und detaillierte Auswertung der zugänglichen Quellen bis hin zu Veröffentlichungen des Auswärtigen Amtes und des Völkerbundes zum spanischen Bürgerkrieg, die in diesem Ausmaß erkennbar in vorherigen Untersuchungen und Veröffentlichungen nicht vorgenommen worden ist.

In den Hauptteilen untersucht der Verfasser zunächst eingehend den Einsatz der „Legion Condor" im spanischen Bürgerkrieg und geht dabei mit Akribie den gegen Mölders selbst erhobenen Vorwürfen nach. Dann beantwortet er die Frage, ob bei Mölders von regimekritischem oder widerständigem Verhalten ausgegangen werden kann, wobei er sich besonders mit den pauschalen Feststellungen des MGFA-Gutachtens zur katholischen Jugendbewegung „Neudeutschland" und zum Katholizismus im 3. Reich auseinandersetzt.Schließlich diskutiert er die „Mölders-Tradition" im Licht des Traditionserlasses von 1965 und 1982. Eine Fülle weiterer Detailinformationen rundet das Buch ab, bevor der Leser dann Gelegenheit erhält, sich ein eigenes Urteil über das MGFA-Gutachten von 2004 zu bilden, welches, da es in der hier abgedruckten Form durch die Dienststelle im Internet bereitgestellt ist, wohl immer noch die aktuelle Sicht der militärgeschichtlichen Forschung der Bundeswehr darstellt.

Der Rezensent wünscht diesem Buch, daß es zum offenen wissenschaftlichen Diskurs herausfordern möge und sich daran alle an dem damaligen Vorgang Beteiligten – Militärhistoriker, militärische Führung und politisch Verantwortliche – mit der Bereitschaft zu Kritik wie Selbstkritik beteiligen, die der Bedeutung der militärischen Traditionspflege auch in der heutigen Zeit angemessen ist.   Viktor Toyka,  Flotillenadmiral a.D. [Geschäftsführer der CG, Meckenheim]

 

Tageszeitung Neues Deutschland

 

Sozialistische Tageszeitung • Dienstag, 23. September 2008


 

Literatur/Politisches Buch

 

18.09.2008

 

Politisches Buch

Randerscheinung

Mölders und die Würde des Menschen

Von René Heilig

Herr General, mit Verlaub, Sie sind ... tja, abermals gezwungen, einen weiteren »Eselstritt« (so nennen Sie es doch) von einem Redakteur des »Neuen Deutschland« auszuhalten. Doch der ist ja, wie Sie in Ihrem Buch bemerken, nur eine »Randerscheinung« innerhalb der Kampagne gegen Ihren heißgeliebten Oberst Mölder, an dem sich – und da stimme ich Ihnen fleißig zu – die Geister scheiden. Für die einen – zu denen Sie stehen – ist er ein Held. Ein Mann ohne Fehl und Tadel, der vor allem eines besser konnte, als alle anderen in seinem Gewerbe, nämlich töten. Als Jagdflieger über Spanien, über Frankreich, über »Engeland« sowie über der Sowjetunion. Und zwar unter Befehl des größten Verbrechers der Neuzeit, Adolf Hitler und seines mordlüsternen Naziklüngels.

Es gab Zeiten, da war das für die Bundeswehr dennoch kein Grund, ihn als Vorbild abzulehnen. Im Gegenteil, man benannte ein Geschwader nach ihm, ein Zerstörer trug den Namen Mölders so wie eine Kaserne. Bis dann diese Linken kamen ... Die damals noch bei den Grünen und in der SPD und beileibe nicht nur innerhalb der PDS organisiert waren. Sie zwangen den SPD-Verteidigungsminister auf ganz perfide demokratische Weise mit einer, wie sie sagen »Zufallsmehrheit« dazu, Mölders als Namensgeber auszusondern.

Es ist durchaus interessant, wie Sie, Herr General Hagema, heute die Frontlinien ziehen. Ihre Feinde sind unter den Journalisten, die es gewagt haben, die Motive ihres Mölders zu hinterfragen. Natürlich mögen Sie diese Linken und den Rechtsanwalt Gysi nicht. Schon gar nicht diesen Wehrmacht-Deserteur Zwerenz, der sich so ins Zeug gelegt hat gegen Ihren geliebten Truppenführer. Natürlich haben Sie auch die Leute vom Militärgeschichtlichen Forschungsinstitut im Visier, die – vielleicht nicht gründlich genug – begründet haben, wieso Mölders nicht gut ist für Soldaten in einer Demokratie.

Anders als Ihr Vorwortschreiber Generalleutnant a. D. Ernst-Dieter Bernhard wünsche ich – es wird Sie keineswegs erstaunen – Ihrem Buch natürlich nicht, »viele, vor allem junge Leser, die in der Bundeswehr und ihrer Luftwaffe dienen«. Dennoch hoffe ich, dass viele Menschen Ihr Buch lesen. Besonders das Kapitel über Guernica, das eigentlich nicht allzu viel mit Mölders, dem Jagdflieger, der erst später zur Legion Condor kam, zu tun hat. Wohl aber verdeutlichen Sie in diesem Kapitel höchst eindrucksvoll, was Sie als ehemaliger führender Offizier der Bundeswehr unter der Rechtmäßigkeit von Putschen und einem ordentlichen Krieg verstehen. Damit es auch lehrbuchhaft gelingt, bieten Sie eine Art Zusammenfassung an. Darin wird versucht – man traut kaum seinen Augen –, den Terrorangriff, der auch von der deutschen Legion Condor gegen das kleine ungeschützte baskische Nest geflogen wurde, zu rechtfertigen. Erschrecken Sie nicht selber, wenn Sie schreiben: »Ein Angriff mit Brandbomben kann sogar schonend sein, weil er Bewohnern getroffener Häuser erlaubt, sich in Sicherheit zu bringen, während die Passierbarkeit der Straßen zwischen brennenden Häusern gleichwohl stark eingeschränkt wird.« Das Ziel, so ist aus Ihrer Feder zu lesen, »rechtfertigte den Kräfteeinsatz«.

Im Grunde muss man Ihnen, General Hagena, dankbar sein für die offenen Worte, die mehr als nur eine Buchkritik verlangen.

Hermann Hagena: Jagdflieger Werner Mölders. Helios-Verlag, Aachen 2008. 229 S., geb., 19.90 €

Anmerkung HH: Zum besseren Verständnis der Einleitung des offenen Briefes von René Heilig:  das Bild des „Eselstritt“ ist  einer Äsop zugeschriebenen Fabel entnommen. Ein Esel versetzt dem sterbenden Löwen einen Tritt – Beispiel für einen verächtlichen Angriff auf einen Wehrlosen. Mit dem wehrlosen Löwen ist Mölders gemeint.

 Im folgenden der Text der Einleitung des Buches, in dem die Angriffe des „Neuen Deutschlands“ in der Kampagne gegen Werner Mölders als „Randerscheinungen“ charakterisiert werden: .

„Erstaunlich nur, daß nicht die Mölders verteufelten und verleumdeten, die im Krieg auf der anderen Seite standen. Die Kommunisten etwa, die in Deutschland gejagt und eingesperrt wurden und nun in Spanien glaubten, für die Freiheit Europas zu kämpfen – auch gegen die deutsche Legion Condor. Oder ein Mann wie Ludwig Renn (1889 – 1936), geboren als Arnold Vieth von Golßenau, sächsischer Gardeoffizier im Ersten Weltkrieg, der nach 1933 im Zuchthaus landete und bei den Internationalen in Spanien zum Stabschef einer Brigade aufstieg. Auf über fünfhundert Seiten seines Buches über den Spanischen Krieg kein Wort der Anklage gegen den Flieger und deutschen Landsmann, dem er am Ebro gegenüber lag.[1] Der spanische Kommunist Valentin Gonzales mit dem Kampfnamen „El Campesino“ (der Bauer), der in der Ebro-Schlacht die Division im Zentrum führte, hätte eigentlich Terrorangriffe gegen Zivilisten in seinem Abschnitt mitbekommen müssen. Er floh nach Kriegsende in die Sowjet-Union und sollte mit anderen Spanienkämpfern militärisch weitergebildet werden,  wurde aber bald aus der Moskauer Frunse-Akademie geworfen, weil er nach seinen Erfahrungen mit der Legion Condor  in Spanien die deutsche Wehrmacht für die beste Armee der Welt hielt.[2]

Nein, in der Kampagne gegen Mölders  sind sogar die Eselstritte der Redakteure des „Neuen Deutschlands“  und der „Jungen Welt“ Randerscheinungen. Die  Hauptakteure  sitzen oder saßen im Bundestag, einige sind Historiker in Uniform oder in zivilem Status. Soweit sie Soldaten sind, sind sie meist als „Seiteneinsteiger“ an Schulen oder in Ämtern tätig und kennen die Einsatzluftwaffe aus eigenem Erleben nicht.

Die Liste ihrer Vorwürfe ist lang. Mölders habe zu den Fliegern  gehört, die in  Guernica und anderswo das faschistische Spanien herbei bombten. Er sei ein Auftragskiller gewesen, ein Mörder, der mit gemeingefährlichen Mitteln tötete,  ein Söldnertyp, ein Handwerker des Krieges. Weniger grobschlächtig formuliert: Mölders habe in der Ebro-Schlacht, dem „Verdun“ des Spanischen Bürgerkrieges,  weitgehend „ohne Hemmungen“ den Tod nicht kämpfender Zivilbevölkerung mindestens „billigend in Kauf genommen“. Zurück in Deutschland hätte er sich dann an der Vorbereitung der Hitlerschen Angriffskriege beteiligt.“

 

 

Oberst a.D. Peter Preylowski  ist Redakteur der Zeitschrift „Strategie und Technik“

 

 

 

 

 

 

Der "Fall Mölders" - http://www.reliwa.de/review/show/1328

 

10.06.2008 22:45

 

Geschrieben von dochiq über Jagdflieger Werner Mölders Star4

Hohe Wellen hat sie geschlagen, die Umbenennung des Jagdgeschwaders 74 "Mölders" der Luftwaffe vor drei Jahren. Bezug nehmend auf einen Bundestagsbeschluss von 1998, der in einem fast leeren Parlament - praktisch nur die PDS war da - zustandegekommen ist und ausgelöst durch einen tendenziösen, unsachlichen und schlecht recherchierten (wenn man da überhaupt von "Recherche" sprechen darf) "Kontraste"-Fernsehbericht von 2004, wurde dem JG 74 der Traditionsname "Mölders" aberkannt. Man hatte plötzlich "entdeckt", dass der 1941 bei einem Flugzeugabsturz umgekommene Jagdflieger Oberst Werner Mölders nicht "traditionswürdig" für die Soldaten der Bundeswehr sei. Aufhänger war seine Mitgliedschaft in der "Legion Condor": Mölders soll an Angriffen auf die Zivilbevölkerung in Spanien beteiligt gewesen sein, z.B. in Guernica, wobei man offensichtlich nicht einmal in der Lage war, nachzuschauen, ob Mölders zu dieser Zeit überhaupt in Spanien war. War er nämlich nicht. Und natürlich war Mölders überzeugter Nazi - denn welcher Soldat zwischen 33 und 45 war das schließlich nicht? Auf diesem "Niveau" bewegten sich die Anschuldigungen. Wie dem auch sei, nachdem ein Gutachten des MGFA eingeholt wurde, wurde der Namen aberkannt, auch wenn der damalige Verteidigungsminister Dr. Peter Struck dies scheinbar durchaus widerwillig tat.

Soweit ganz knapp zur Vorgeschichte. Das vorliegende Buch ist, wie nicht anders zu erwarten, eine Sammlung der Gegenargumente der Mölders-"Befürworter" unter Federführung des Autors Hermann Hagena. Mit einbezogen werden neueste Erkenntnisse, so zum Beispiel neu aufgetauchte Briefe und Tagebucheintragungen, die Aufschluss über Mölders Haltung zum NS-Regime geben. Nachdem Mölders Rolle im spanischen Bürgerkrieg auf das Genaueste untersucht wurde und die pauschal vorgebrachten Anschuldigungen widerlegt wurden, beschäftigt sich der Autor mit der sorgfältigen Konterung des MGFA-Gutachtens über Mölders. Darin wurde behauptet, dass Mölders ein regimetreuer Soldat war, der im Einklang mit dem NS-Regime handelte und dieses unterstützte. Die Hinweise hingegen, dass Mölders durchaus regimekritisch dachte und handelte, werden als "unwahrscheinlich" zurückgewiesen. Hagena hingegen versucht mit Hilfe der neuen Erkenntnisse zu beweisen, dass das hingegen sehr wahrscheinlich ist und konzentriert sich hauptsächlich auf zwei Punkte: Mölders habe der jüdischen Familie eines Schulfreundes geholfen, den Repressionen durch das Regime zu entgehen, und er habe mit dem Münsteraner Kardinal von Galen, dem "Löwen von Münster", der gegen das NS-Regime predigte, in Verbindung gestanden, diesen unterstützt und die Predigten unter seinen Soldaten verteilt. Im ersten Punkt ist die Beweislage durch die neu aufgetauchten Briefe Mölders an jenen Schulfreund relativ gut, während der zweite Punkt nicht 100%ig geklärt werden kann, auch wenn der Autor sein Bestes gibt, um überzeugend im Sinne Mölders zu argumentieren. Aber hieb- und stichfest ist es leider nicht, auch wenn es sicherlich sehr wahrscheinlich ist. Die Quellenlage, im Wesentlichen ein paar Tagebuchnotizen, reicht nicht aus, um die Sachlage ein für allemal zu klären. Trotzdem wird klar, dass die Unterstellungen, die gegen Mölders ins Feld geführt worden sind, zumindest noch einmal neu geprüft werden müssten.

Den letzten Teil des Buches nimmt eine, man möchte sagen, minutiöse Chronik der Ereignisse und das Echo in den verschiedensten Medien um die "Affäre Mölders" ein. Vor allem die Reaktionen der Print-Medien sind sehr interessant. Zunächst war natürlich alles klar: Nazi-Namen in der Bundeswehr müssen weg! Ob denn Mölders überhaupt ein Nazi war, wurde nicht weiter hinterfragt. Mit der Zeit, nach der Umbenennung, änderte sich das Bild aber langsam. Vor allem in der WELT und der FAZ war zu beobachten, dass diese damnatio memoriae nicht mehr einfach so hingenommen und der Entschluss im Lichte der neuen Erkenntnisse über Mölders in Frage gestellt wurde. Auch der neue Verteidigungsminister Dr. Jung äußerte sich vorsichtig kritisch über die Aberkennung des Namens. Auch wenn eine Wiederbenennung höchst unwahrscheinlich ist, so ist doch zu hoffen, dass die Diskussion um die Traditionspflege in der Bundeswehr in Zukunft sachlicher geführt wird, als es bei der "Affäre Mölders" der Fall war.

 

 

 

 

Hermann Hagena:Jagdflieger Werner Mölders – Die Würde des Menschen reicht über den Tod hinaus

Ein Beitrag zur Diskussion über Vorbilder und Tradition - Herausgegeben von den Möldersfreunden Bonn 2008

Vorwort von Generalleutnant a.D. Ernst-Dieter Bernhard. Helios-Verlag, Postfach 398102, 52039 Aachen, www.helios-verlag.de- 235 S., gebunden, Schutzumschlag, Personenregister, Abbildungen, Kartenskizzen, Tabellen, als Anlage  Erstveröffentlichung des „Mölders-Gutachten“ des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes, € 19,90

Der Jagdflieger Werner Mölders (1913-1941) erzielte in der Legion Condor über Spanien 14 Luftsiege, wurde im Frankreichfeldzug abgeschossen und gefangen genommen, führte danach ein Jagdgeschwader, war jüngster Oberst der Wehrmacht und erhielt als erster Soldat der Luftwaffe das Eichenlaub mit Schwertern und Brillianten für seine weiteren 101 Luftsiege über Frankreich und Russland. Seine Soldaten und Fliegerkameraden verehrten ihn, den fürsorglich-kameradschaftlichen Führer, trotz seiner Jugend als „Vati Mölders“ noch Jahre nach seinem Unfalltod. Ihm war eine neue sehr erfolgreiche Schwarm-Formation für den Luftkampf zu verdanken, die als “Moelders formation“ noch die Jäger der NATO flogen. Seine Kriegsgegner achteten ihn als „the great fighter pilot“.

Er bekannte sich offen zum katholischen Glauben, behielt seine Bindung an den als staatsfeindlich verbotenen katholischen Bund „Neudeutschland“ und hatte Kontakt zum wortgewaltigsten Ankläger nationalsozialistischen Unrechts, dem Bischof von Münster, Graf Galen; er bat Hitler sogar, ihn nicht anzutasten, was auch unterblieb. Er bewahrte einen Franzosen, der ihn bei seiner Gefangennahme misshandelt hatte, vor der Todesstrafe. Sein Eintreten für die jüdische Familie eines Klassenkameraden gab ihr Schutz bis Kriegsende.

Der erfolgreiche Flieger, Verbandsführer und Vordenker seiner Waffe, der gemäß einer viel beachteten Zeitungsanzeige  „Charakter und Anstand“ in schwieriger Zeit bewies,  hatte für die junge Bundeswehr Vorbildcharakter. So wurden, unter den sozial-demokratischen Ministern Helmut Schmidt und Georg Leber sowie dem Bundespräsidenten Gustav Heinemann 1968 ein Zerstörer, 1972 eine Luftwaffenkaserne und 1973 das Jagdgeschwader 74 in Neuburg/ Donau nach ihm benannt.

Im April 1998 beschlossen aus Anlass des 60. Jahrestages der Bombardierung Guernicas wenige linke und grüne Abgeordneter an einem Freitagnachmittag, die Bundesregierung aufzufordern, jegliches ehrende Gedenken an Angehörige der Legion Condor zu unterbinden und rückgängig zu machen.

Ein PDS-Abgeordneter nannte die Zielrichtung: Mölders. Sieben Jahre später war der daran beteiligte Peter Struck Verteidigungsminister. Er bewies nun, wie schon bei der Entlassung General Günzels, einmal mehr seine besonders ausgeprägte Achtung vor der Würde des Menschen, indem er, begründet mit der Resolution von 1998, entschied, dem Jagdgeschwader 74 den Ehrennamen„Mölders“ zu nehmen. Weder die damals für die Ehrung verantwortlichen Minister, noch der Bundespräsident, dessen Vorgänger den Ehrennamen genehmigt hatte, erhoben Widerspruch. 

Bei einem eilig angesetzten Geschwaderappell hinter geschlossenen Toren wird am 11. März 2005 das Fahnenband „Mölders“ durch ein schwarzes mit der Aufschrift „JG 74“ ersetzt. Ärmelbänder, Verbandsabzeichen, Wappen und Bilder von Mölders müssen danach entfernt werden.

Alle massiven Gegenvorstellungen der Gemeinschaft der Jagdflieger und der Mölders-Vereinigung beim Minister, bei Bundestagsabgeordneten, beim Bundespräsidenten, fast 200 Petitionen an den zuständigen Bundestagsausschuss waren fruchtlos geblieben.  

Mit Generalleutnant a.D. Ernst-Dieter Bernhard an der Spitze, der gegen Kriegsende junger Jagd-flieger in der im Frankreichfeldzug von Mölders geführten III. Gruppe des JG 53 gewesen war, formierte sich eine lebhafte Protestbewegung gegen dieses die Menschenwürde verachtende Vorgehen; ihre großen Anzeigen waren von namhaften Persönlichkeiten, darunter hoch- und höchstrangigen Militärs außer Dienst unterzeichnet. Zur Bewegung für Mölders gehören neben der an das Geschwader gebundenen Mölders-Vereinigung das mutige Internet-Organ www.moelders.info und die „Mölders-Freunde“, welche das vorliegende Buch inspiriert haben.

Der Autor, promovierter Jurist, ehemals Jagdflieger im Geschwader „Mölders“, Generalstäbler, Brigadegeneral a.D., hat mit Unterstützung von Kameraden und Zeitzeugen den „Fall Mölders“ in seinen vielen Facetten akribisch untersucht und bewertet. Er lässt dabei originale deutsche, auslän-dische und Völkerbund-Quellen sowie noch lebende Zeitzeugen sprechen, die er mit bewunderns-werter Hartnäckigkeit aufgetan hat. Er widerlegt die Argumente sachlicher Art, mit denen Mölders in der politischen und Medien-Polemik noch heute beschuldigt wird, „ein besonders verbrecherischer Wehrmachtsangehöriger“ gewesen zu sein, wie es  die Linke in einer kleinen Anfrage unlängst  formulierte. Nicht offiziell aber offensichtlich lagen diese Unwahrheiten Strucks Verdikt zugrunde, wie aus einem „Gutachten“ des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes ersichtlich ist, das selbst Mölders´ Glaubensbekenntnis gegen ihn verwendet. Der Autor beweist detailliert, dass die Legion Condor das Kriegsvölkerrecht eingehalten hat. Ein Beispiel unter anderen: Fachhistoriker sagten schon lange, dass bei Guernica nur eine Brücke als militärisches Ziel zerstört werden sollte. Hagena bringt dafür noch einen originellen neuen Beweis: Die zwei Anflugwege schnitten sich genau über dieser Brücke.

Der Autor zerpflückt  die Fragwürdigkeiten der Traditionspflege der Bundeswehr. Er zeigt wie verant-wortungslos ehrabschneidend auch sonst schon geurteilt wurde, und wie pharisäerhaft Politiker die „Schuld“ deutscher Soldaten bekennen, die sich gegen diese Verunglimpfungen nicht wehren können. Hagena macht bewusst, wie sehr damit die schönen Worte einer Weisung des Generalinspekteurs ad absurdum geführt werden: „Die Würde des Menschen reicht über den Tod hinaus.“ 

Das Werk ist, weit über den „Fall Mölders“ und die Luftwaffe hinausgehend, ein fundierter, dabei flüssig zu lesender Aufruf, die deutsche militärische Tradition wieder auf die Überzeugung zu gründen, die der französische Staatspräsident General de Gaulle 1962 den Deutsche zurief, nämlich, dass ungeachtet der Politik „die Hochachtung, die sich die Tapferen entgegenbringen, zum sittlichen Erbe des Menschengeschlechts“ gehören.

Das schön gestaltete Buch sollten daher alle zu Rate ziehen, denen Wahrheit und Gerechtigkeit in der deutschen Geschichte ein Anliegen sind. Mitläufern der politisch korrekten Geschichtspolitik bietet es die Chance, sich aus selbstverschuldeter Unmündigkeit zu befreien.   

Manfred Backerra   [Oberst a.D.] ist Regionalleiter Hamburg der Staats- und Wirtschaftspolitischen Vereinigung.

      

PALLASCH

Zeitschrift für Militärgeschichte  

Organ der Österreichischen Gesellschaft für Heereskunde

 

Heft 27, September 2008, S. 314 (Salzburg)

 

 

 

 

 

 

 



[1] Ludwig Renn, Der Spanische Krieg, Dokumentarischer Bericht. Erstveröffentlichung nach dem ursprünglichen Manuskript. Berlin (Verlag Das Neue Berlin), o.J. (2006)

[2] Valentin Gonzales [El Campesino] Listen Comrades ! London 1952 ; Spanische Ausgabe Comunista en España y anti-Stalinista en Rusia, Mexiko 1953. Deutsche Ausgabe General El Campesino, Die große Illusion, Köln und Berlin (Kiepenheuer und Witsch), o.J. S. 50. Auf  Seite 52  lesenswert für die deutsche Linke Campesinos Einschätzung seiner alten Genossen: „Die Spanische Kommunistische Partei hat unmenschliche Verbrechen begangen und sowohl an der Front wie [sic] auch im Hinterland eine wahre Schreckensherrschaft eingeführt, so daß die anderen antifaschistischen Kräfte geschwächt wurden.“