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Anfang der 80er Jahre verlangten Fragen zu Traditionsverständnis und -pflege der Bundeswehr neue Antworten. Der dazu herausgegebene Minister-Erlass von 1982 reicht allerdings heute nicht mehr aus; vor allem mangelt es an einer Klarstellung, inwieweit Traditionsbildung und -pflege ein wesentlicher Bestandteil der truppendienstlichen Führungsverantwortung sind und wie sich dies in die politische Leitungsverantwortung einordnet. Aber: Der Erlaß wurde in einem Traditionsverständnis geschrieben, das - unter dem Gebot der Vereinbarkeit mit Grundgesetz und Innerer Führung - Kontinuität in der Traditionsbildung zulässt und keinen Teil der deutschen Geschichte ausblendet (Nr. 5 des Erlasses). Dieses Grundverständnis hat zuletzt noch für Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) gegolten.
Die Entfernung von Werner Mölders durch Verteidigungsminister Dr. Struck (SPD) aus der Bundeswehrtradition im Jahr 2005 und die Umstände, die dazu geführt haben, waren ein politisch gewollter Bruch mit den bisherigen Traditionslinien. In der daraufhin mit starker öffentlicher Resonanz geführten Traditionsdebatte wurde die Entscheidung zur Traditionswürdigkeit Mölders´ auch nach dem kurz darauf folgenden Regierungswechsel nicht zurückgezogen; aber die neue Bundesregierung hat wieder an die bewährten Traditionslinien angeknüpft. In Beantwortung von Kleinen Anfragen der Linken hat sie dazu in 2007 unter anderem ausgeführt: “Die Bundesregierung bleibt bei ihrer ... Auffassung ..., dass Traditionsbildung und -pflege als ein Prozess werteorientierter Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zu verstehen ist. Diese Auseinandersetzung verlangt nicht ideologisch begründete Behauptungen, sondern eine wissenschaftlich fundierte, differenzierte und historisch angemessene Befassung.” In derselben Antwort wird auch auf Nr. 6 des “Traditionserlasses” Bezug genommen, in der es heißt: “In den Nationalsozialismus waren Streitkräfte teils schuldhaft verstrickt, teils wurden sie schuldlos missbraucht. Ein Unrechtsregime wie das Dritte Reich kann Tradition nicht begründen.” Die wichtigsten Folgerungen aus dieser Bestimmung sind, dass die Auswahl von traditionsgebenden Persönlichkeiten und Vorgängen der Wehrmacht auf den Einzelfall beschränkt bleibt, z.B. auf die Offiziere im Widerstand gegen Hitler, und herausragende militärische Leistung für sich genommen noch keine Aufnahme in die Tradition rechtfertigt. Allerdings muss auch gelten, dass die Armee der Weimarer Republik, die Reichswehr, insbesondere aufgrund ihrer staatspolitischen Sonderstellung nicht als Traditionsgeber taugt. Und mit anderer Begründung trifft das gleichfalls für das kaiserliche Heer zu; Stichworte: Kolonialpolitik; gesellschaftliche Einordnung; Operationsführung im Ersten Weltkrieg, zum Beispiel Giftgaseinsätze.
Mit Blick auf Persönlichkeiten, die für die Traditionsbildung der Bundeswehr in Betracht kommen können, hat - ebenfalls in der erwähnten Antwort der Bundesregierung enthalten - der Parlamentarische Staatssekretär Schmidt (CSU) anlässlich der Jahresversammlung des Fördervereins Invalidenfriedhof e.V. am 23.06.2006 erklärt: “An der Unterschiedlichkeit der Lebensläufe auch anderer in dieser dunklen Zeit Deutschlands zur Ruhe Gebetteter, lässt sich ablesen, wie vielschichtig die Beurteilungen von Schicksalen in ihrer jeweiligen Zeit sein können. Kopf an Kopf mit der Grabstätte Ernst Udets, den Carl Zuckmayer als “Des Teufels General” beschrieben hat, liegt ein Offizier des Jagdgeschwaders Richthofen, der frühzeitig durch ein ausserordentliches Talent als Flieger von sich reden machte. So dauerte es nicht lange, bis er wie manch andere - man muss wohl sagen - weitgehend unpolitischen Idole seiner Zeit vom NS-Regime instrumentalisiert wurde. Dennoch ... persönlich und charakterlich zeichnet diesen Mann sehr wohl ein auf christlicher Grundüberzeugung basierendes Wesen aus. Ich spreche von Werner Mölders. ...”
Als nach der Ministerentscheidung zu Mölders die militärische Führung auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck, einer Wiege der Nachkriegsluftwaffe, nicht nur das Strassenschild mit dessen Namen entfernen liess, sondern in einer überzogenen Reaktion gleich alle Schilder mit Namen hervorragender deutscher wie ausländischer Flieger, wurde der Parlamentarische Staatssekretär Pflüger (CDU) in der WELT vom 28.03.2006 interviewt und so wiedergegeben:”Es gibt keine Namenstürmerei.” Die Bundeswehr sei sich bewußt, dass sie Tradition brauche. Wenn es Probleme mit Namen gebe, “kann man der Diskussion nicht ausweichen, indem man alle Namen abhängt.” Man müsse die Diskussion im Einzelfall führen, auch im Bewußtsein der damaligen Zeit und ohne Selbstgerechtigkeit. Es gehe nicht um Political Correctness, sondern um Traditionspflege, die militärische Leistung anerkenne. Die Namensgeber dürfen aber nicht in Verbrechen verstrickt sein.
Als Bekräftigung des hier in der moelders.info vertretenen Traditionsverständnisses wird die Rede von Verteidigungsminister Dr. Jung (CDU) vor der 32. Militärhistoriker-Konferenz verstanden, in der er für die Auswahl von Orientierung gebenden Beispielen und Vorbildern auf ethische Hochstapelei verzichtete. Er wandte sich gegen ideologische Verblendung und rückte den Soldaten als Kämpfer, der in der Bundeswehr als Armee im Einsatz auch das militärische Vorbild braucht, wieder mehr nach vorne. Leider hat sich der Minister in der Folgezeit nicht zur praktischen Umsetzung seiner Vorstellungen verstanden und damit der Truppe wie der Öffentlichkeit die Orientierung und Massgabe vorenthalten, die der “Traditionserlass” eigentlich voraussetzt. Die löchrige Drei-Säulen-Theorie, mit der ein einengendes Traditionsverständnis einhergeht, wurde auch von ihm übernommen; sie wirft jedoch mehr Fragen auf, als sie beantwortet.
Der amtierende Verteidigungsminister hat sich bis heute zwar schon mehrfach zu Traditionsfragen geäussert, aber eine geschlossene Vorstellung lässt sich daraus noch nicht ablesen.
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Die Artikel “Welches Vorbild?” und “Drei Säulen” befassen sich eingehender mit dem Stand der Bundeswehr-Tradition und können in der Inhaltsleiste links direkt aufgerufen werden. Die Seite “Traditionswürdig!” begründet nicht nur die Traditionswürdigkeit von Mölders; sie bietet auch einen Zugang zur allgemeinen Frage, wie Persönlichkeiten aus früheren Epochen, insbesondere den Jahrzehnten vor 1945, für die Traditionsbildung erkannt und beurteilt werden können. Dieser Beurteilung gehen Daten und Artikel zur Vita Werner Mölders´ sowie die Rezension von zwei biographischen Büchern (“Besonderes Mölders-Buch” und “Biographie”) voraus. Weiterführende Fragen zur demokratischen Praxis, Wahrnehmung von Amtsverantwortung, zu den Grenzen politischer Auseinandersetzung und zur Wahrung des Andenkens Verstorbener in unserer Zeit werden insbesondere unter “Dossier”, in den Glossen sowie unter “Presse” behandelt. Wo es angebracht ist, werden in den jeweiligen Artikeln Folgerungen für die Weiterentwicklung hauptsächlich, aber nicht allein der militärischen Tradition gezogen.
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