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Einführung

Dr. Hans Apel (SPD), ehem. Bundesminister der Verteidigung und Herausgeber des noch gültigen “Traditionserlasses” von 1982, in der Deutschen Militärzeitschrift (2005): “ ... Diese Art von Tabuisierung, die sich über unsere Geschichte legt, ist für mich immer schwerer erträglich. Natürlich müssen die Verbrechen der Nationalsozialisten scharf verurteilt werden - das ist auch für mich nicht debattierbar. Aber daß es auf der anderen Seite in diesem Krieg auf deutscher Seite untadelige Helden gab, die dann nach 1945 als solche Namensgeber von Kasernen und Bundeswehreinheiten wurden, das ist normal. Mit solchen Tabuisierungen können wir großen Flurschaden anrichten. Damit erschweren wir vor allem der jungen Generation den Zugang zur eigenen Geschichte. Die können dann wählen zwischen `political correctness´ und Rechtsextremismus und diese Wahl ist - mit Verlaub - beschissen.”

Verteidigungsminister de Maiziére am 14.10.2011 in Dresden: “Das Ganze im Blick, das Gute als Vorbild - das ist der Sinn von Traditionspflege der Bundeswehr”

Tradition und Verantwortung

Anfang der 80er Jahre verlangten Fragen zum Traditionsverständnis der Bundeswehr neue Antworten, die in einem Erlass des Verteidigungsministers von 1982 (sogenannter “Traditionserlass”) veröffentlicht wurden. Bis heute ist aber nicht klar, wie sich die militärische Führung der Traditionsbildung und -pflege als wesentlichem Führungsmittel bedienen soll und inwieweit die politisch Verantwortlichen eine aus dem soldatischen Berufsethos entwickelte Traditionsbildung unterstützen. Eine solche Klärung muss von militärischer wie politischer Seite angestrebt werden (siehe Welches Vorbild?).

Der Erlass von 1982 wurde in einem Traditionsverständnis geschrieben, das - unter dem Gebot der Vereinbarkeit mit Grundgesetz und Innerer Führung - Kontinuität in der Traditionsbildung zulässt und keinen Teil der deutschen Geschichte ausblendet (Nr. 5 des Erlasses). Dieses Grundverständnis hat noch für Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) gegolten.

Die Entfernung von Werner Mölders durch Verteidigungsminister Dr. Struck (SPD) aus der Bundeswehrtradition im Jahr 2005 und die Umstände, die dazu geführt haben, waren ein politisch gewollter Bruch mit bisherigen Traditionslinien. In der daraufhin mit starker öffentlicher Resonanz geführten Traditionsdebatte wurde die Entscheidung zur Traditionswürdigkeit Mölders´ auch nach dem Regierungswechsel nicht zurückgezogen; in Beantwortung von Kleinen Anfragen der Linken hat die neue Bundesregierung in 2007 aber ausgeführt: “Die Bundesregierung bleibt bei ihrer ... Auffassung ..., dass Traditionsbildung und -pflege als ein Prozess werteorientierter Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zu verstehen ist. Diese Auseinandersetzung verlangt nicht ideologisch begründete Behauptungen, sondern eine wissenschaftlich fundierte, differenzierte und historisch angemessene Befassung.” In derselben Antwort wird auch auf Nr. 6 des Traditionserlasses Bezug genommen, in der es heißt: “In den Nationalsozialismus waren Streitkräfte teils schuldhaft verstrickt, teils wurden sie schuldlos missbraucht. Ein Unrechtsregime wie das Dritte Reich kann Tradition nicht begründen.”

Die wichtigsten Folgerungen sind, dass die Auswahl von traditionsgebenden Persönlichkeiten und Vorgängen der Wehrmacht auf den Einzelfall beschränkt bleibt, z.B. auf Offiziere im Widerstand gegen Hitler, und herausragende militärische Leistung für sich genommen keine Aufnahme in die Tradition rechtfertigt. Allerdings kommen auch - mit unterschiedlicher historischer Begründung - weder die Reichswehr noch das kaiserliche Heer als Traditionsgeber in Frage. Die Traditionswürdigkeit von, beispielsweise, Boelcke, Immelmann und Richthofen wird dadurch nicht erschüttert, sondern auf ihre jeweils besondere Persönlichkeit und Leistung zurückgeführt.

Mit Blick auf Persönlichkeiten, die für die Traditionsbildung der Bundeswehr in Betracht kommen können, hat - in der erwähnten Antwort der Bundesregierung enthalten - der Parlamentarische Staatssekretär Schmidt (CSU) anlässlich der Jahresversammlung des Fördervereins Invalidenfriedhof e.V. am 23.06.2006 erklärt: “An der Unterschiedlichkeit der Lebensläufe auch anderer in dieser dunklen Zeit Deutschlands zur Ruhe Gebetteter, lässt sich ablesen, wie vielschichtig die Beurteilungen von Schicksalen in ihrer jeweiligen Zeit sein können. Kopf an Kopf mit der Grabstätte Ernst Udets, den Carl Zuckmayer als “Des Teufels General” beschrieben hat, liegt ein Offizier des Jagdgeschwaders Richthofen, der frühzeitig durch ein ausserordentliches Talent als Flieger von sich reden machte. So dauerte es nicht lange, bis er wie manch andere - man muss wohl sagen - weitgehend unpolitischen Idole seiner Zeit vom NS-Regime instrumentalisiert wurde. Dennoch ... persönlich und charakterlich zeichnet diesen Mann sehr wohl ein auf christlicher Grundüberzeugung basierendes Wesen aus. Ich spreche von Werner Mölders. ...”

Als nach der Ministerentscheidung zu Mölders die militärische Führung auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck, einer Wiege der Nachkriegsluftwaffe, nicht nur das Strassenschild mit dessen Namen entfernen liess, sondern gleich alle Schilder mit Namen hervorragender deutscher wie ausländischer Flieger, wurde der Parlamentarische Staatssekretär Pflüger (CDU) in der WELT vom 28.03.2006 interviewt und so wiedergegeben: ”Es gibt keine Namenstürmerei.” Die Bundeswehr sei sich bewußt, dass sie Tradition brauche. Wenn es Probleme mit Namen gebe, “kann man der Diskussion nicht ausweichen, indem man alle Namen abhängt.” Man müsse die Diskussion im Einzelfall führen, auch im Bewußtsein der damaligen Zeit und ohne Selbstgerechtigkeit. Es gehe nicht um Political Correctness, sondern um Traditionspflege, die militärische Leistung anerkenne. Die Namensgeber dürften aber nicht in Verbrechen verstrickt sein.

Als Bekräftigung dieses Traditionsverständnisses wird die Rede von Verteidigungsminister Dr. Jung (CDU) vor der 32. Militärhistoriker-Konferenz verstanden (siehe Traditionswürdig!), in der er für die Auswahl von Orientierung gebenden Beispielen und Vorbildern auf ethische Hochstapelei verzichtete: Er wandte sich gegen ideologische Verblendung und rückte den Soldaten als Kämpfer, der in der Bundeswehr als Armee im Einsatz auch das militärische Vorbild braucht, mehr nach vorne. Der Minister hat sich später aber nicht zur praktischen Umsetzung seiner Vorstellungen eingelassen und damit der Truppe wie der Öffentlichkeit die erforderliche Leitlinie und Massgabe vorenthalten. Die simple Drei-Säulen-Theorie (siehe Drei Säulen), mit der ein einengendes Verständnis von Geschichte und Tradition einhergeht, wurde schliesslich auch von ihm übernommen; sie wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet.

Vom amtierenden Verteidigungsminister war zu erwarten, dass er seine Auffassung alsbald darlegen wird, denn Fragen zur Tradition müssen immer wieder neu gestellt und in ihren Zusammenhängen erklärt werden, generell wie besonders auch für die Bundeswehr. Die Aussetzung des Grundwehrdienstes, von den meisten Menschen als Aufgabe der Wehrpflicht empfunden, verändert die deutschen Streitkräfte so grundlegend, dass solche Wegweisung unabweisbar nötig ist. Dazu gilt: Tradition erschöpft sich nicht im Zeigen von Symbolen, in Namensgebungen oder Gedenkveranstaltungen, sondern sie muss zielgerichtetes, prinzipientreues Denken und Handeln unterstützen und zwar in der täglichen Praxis. Sie hilft für Situationen vorzusorgen, bei denen es, womöglich unter vielfältigem Stress und Zeitdruck, auf Gemeinschaftsgeist und Handlungssicherheit ankommt. Anläßlich der Neueröffnung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr am 14.10.2011 in Dresden hat der Minister seine Auffassung (siehe Thomas de Maizière) dargelegt; soweit sie Akzeptanz finden wird, stärkt sie die Linien der Traditionsbildung und -pflege, die von der moelders.info und ihren Unterstützern stets verfolgt wurden.

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Die Artikel “Welches Vorbild?”, “Drei Säulen” und “Thomas de Maizière” befassen sich eingehender mit dem Stand der Bundeswehr-Tradition und sind in der Inhaltsleiste links aufzurufen. Zum Stand der Traditionsentwicklung in der Luftwaffe ist die Seite Der Mölderianer lesenswert.

Die Seite “Traditionswürdig!” begründet nicht nur die Traditionswürdigkeit von Mölders; sie bietet auch einen Zugang zur allgemeinen Frage, wie Persönlichkeiten aus früheren Epochen, insbesondere den Jahrzehnten vor 1945, für die Traditionsbildung erkannt und beurteilt werden können. Dieser Beurteilung gehen Daten und Artikel zur Vita Werner Mölders´ sowie die Rezension von zwei biographischen Büchern (“Besonderes Mölders-Buch” und “Biographie”) voraus.

Weiterführende Fragen zur demokratischen Praxis, Wahrnehmung von Amtsverantwortung, zu den Grenzen politischer Auseinandersetzung und zur Wahrung des Andenkens Verstorbener in unserer Zeit werden insbesondere unter “Dossier”, in den Glossen, Notizen sowie unter “Presse” behandelt. Wo es angebracht ist, werden in den jeweiligen Artikeln Folgerungen für die Weiterentwicklung hauptsächlich, aber nicht allein der militärischen Tradition gezogen.