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Glosse 2.16

Vinceremos?

 

Kubas ehemaliger Staatspräsident Fidel Castro ist am 25.11.2016 verstorben. In die Kommentierung von deutschen Medien und Politikern schlich sich eine melancholische Note ein, als ob mit dem Tod einer verdienstvollen Persönlichkeit eine wichtige Ära zu Ende gegangen wäre. So soll ein früherer deutscher Spitzenpolitiker vermeintliche Errungenschaften des Castro-Regimes gewürdigt haben, nämlich das staatliche Gesundheitssystem und die Bildungspolitik. Ob er da richtig hingesehen hat? Das Gesundheitswesen ist bisher durch großen Mangel gekennzeichnet, die Bildung durch ideologische Indoktrinierung - wie immer im Sozialismus.

Die Ära Castro ist noch nicht ganz zuende, sein Bruder führt die Politik fort - nicht demokratisch, sondern “dynastisch” legitimiert wie ein Monarch. Soweit Castro und seine Politik dennoch mehr und mehr in historisches Dämmerlicht abtauchen, hat das mit der wirtschaftlichen Misere auf der Insel, dem Untergang des real existierenden Sozialismus sowjetischer Prägung und der fehlenden Zukunftsperspektive des Regimes zu tun. Von daher wäre ein “Nachruf” überflüssig, aber bevor sich eine Kuba-Nostalgie ausbreitet, darf man drei Wahrheiten aussprechen:

 

1. Nach der Revolution hat Castro nicht zur Republik und Demokratie gefunden, sondern jahrzehntelang als Diktator geherrscht; Bespitzelung und Unterdrückung Oppositioneller, fehlende Meinungsfreiheit und Einschränkung jeder freien Entfaltung - wirtschaftlich, geisteswissenschaftlich und künstlerisch - gehörten zum politischen System.

2. Er erlaubte das jakobinerhafte, tödliche Wüten seines Kampfgefährten Che Guevara unter dem eigenen Regime und dessen gewaltverherrlichende Revolutionspropaganda auf der internationalen politischen “Bühne”. Ebenso förderte er terroristische Aktivitäten, die Guevara schon während seiner Zugehörigkeit zum kubanischen Regime in Mittelamerika sowie nach seinem Ausscheiden 1965 in Afrika (Kongo) und Südamerika anzettelte - dies allerdings ohne greifbaren Erfolg.

3. Castro wurde zum Komplizen der Sowjetunion, als diese 1962 mit der beabsichtigten und auch begonnenen Stationierung von Atomraketen auf Kuba eine der gefährlichsten Krisen im Zeitalter der Ost-West-Konfrontation heraufbeschwor.

 

Die erbärmliche Kuba-Politik John F. Kennedys 1961 - und auch die amerikanische Haltung in späteren Jahren - hat Castro nicht geschadet, sondern den Rücken gestärkt. Das ist aber kein Grund, dem Diktator und “Pleitegänger” Kubas hierzulande nachzutrauern.