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Glosse 2.18

Der Karl ...

Mai 2018: Seit kurzem wird verstärkt an Karl Marx erinnert, der vor 200 Jahren in Trier geboren wurde. Und es gibt Stimmen aus politischem Mund, die glauben machen wollen, dass Marx noch aktuell ist und uns viel zu sagen hätte.

Marx, ein Philosoph, Journalist, Publizist und politischer Aktivist, hat sich an seinen großen, revolutionären Ambitionen verhoben. Selbst sein Hauptwerk, “Das Kapital”, für das er ein halbes Leben lang arbeitete, blieb nach dem ersten Band unvollendet; sein Weggefährte Friedrich Engels brachte es mit zwei weiteren Bänden zuende. Engels, wie Marx ein Kommunist, verdiente sein Geld als erfolgreicher Textilunternehmer und sicherte damit auch den Lebensunterhalt der Familie Marx - Karl verließ sich darauf.

Zum Verständnis des Marx´schen Werkes, das in den gesellschafts- und wirtschaftspolitischen “Marxismus” mündete, muss man an die Geisteshaltung des Autors denken: Er war Atheist (“Religion ist Opium fürs Volk”) und hatte eine auf materielle Bedürfnisse des Lebens verkürzte Vorstellung vom Menschenbild: “Das Sein bestimmt das Bewusstsein”. Bertolt Brecht drückte es vulgärer aus: “Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral”. Pessimisten könnten dies bejahen, aber die Geschichte lehrt es uns anders: Wer sich verantwortungsbewusst Ziele für eine bessere Zukunft setzt, kann das Sein verändern; mit Moral schafft man für alle das Nötige zum “Fressen”.

Karls politische Ideen lösen sich von der Nation als Heimat und Gemeinschaft, die es zu gestalten gilt. Seine komplizierte, vorgeblich umfassende Sicht der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Europa war in Wirklichkeit eine rigorose Vereinfachung der Realität. Sie konzentrierte sich auf die damals schnell fortschreitende Industrialisierung und die, so behauptete er, unausweichliche Verelendung der Arbeiterklasse. Diese Entmenschlichung folge einer wissenschaftlichen Gesetzmäßigkeit und müsse durch internationalen Klassenkampf - “Proletarier aller Länder vereinigt euch!” -, Enteignung der “Kapitalisten” (d.h. Besitzer der Produktionsmittel) und Revolution beendet werden.

Damit konnte Karl in Westeuropa keinen durchschlagenden Erfolg haben: Seine Politik hätte den Menschen die gewohnte ethische Bindung und bürgerliche Moral, ja die Heimat genommen und mit Gewalt das Unterste nach oben gekehrt. Karl zeigte  zwar soziale Mißstände auf und gehörte zu den Kräften, die den Regierenden schließlich Reformen abnötigten, die nachfolgende Generationen dann weiterführten. Aber zu dem was er sich erhoffte, zur politischen Umsetzung seiner revolutionären Lehre, ist es nicht gekommen: Die Menschen wollten es nicht.

Jede Ideologie, auch der von Karl propagierte Kommunismus, kann für machtpolitische Ziele genutzt werden: So geschehen in der russischen Oktoberrevolution 1917, aus der die Sowjetunion hervorging. Aus Karls Kommunismus entwickelte sich unter Führung Lenins der Marxismus/Leninismus, der als “real existierender Sozialismus” staatspolitische Räson der Sowjetunion war, bis zu deren Ende. Karl hätte sie wohl als eine Vorstufe zum kommunistischen Ideal verstanden. Aber man ist dem Ideal nie näher gekommen, egal wo in der Welt dieser Sozialismus Staatspolitik wurde. Er führte immer in die Herrschaft einer Staatspartei und ihrer Funktionärskaste, in Diktatur und Polizeistaat, Einschränkung individueller Freiheit, Raubbau in der Volkswirtschaft wie an der Natur. Das Grundversagen des Sozialismus, schon angelegt in Karls Theorien, liegt im mangelnden Verständnis der menschlichen Natur, ihrer Antriebe und schöpferischen Möglichkeiten.

Dabei war die Lösung der von Karl Marx beschriebenen gesellschaftlichen Konflikte zwar nicht einfach zu erreichen, aber doch nicht schwierig zu verstehen: Bei uns hat sie seit sieben Jahrzehnten ihre Bewährungsprobe bestanden. Es ist die “soziale Marktwirtschaft”.

Was hat uns der Karl da noch zu sagen?