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Glosse 5.10

Gruppenreise

 

Verteidigungsminister zu Guttenberg ist kurz vor Weihnachten zum Truppenbesuch nach Afghanistan gereist, so wie es zu seinen Amtspflichten gehört. Er wurde von seiner Ehefrau und den Ministerpräsidenten Böhmer und McAllister begleitet. Außerdem gehörte der Moderator Johannes B. Kerner zur Delegation, der eine Talkshow mit dem Minister und in Afghanistan eingesetzten Soldaten aufzeichnete. Die Opposition im Bundestag hat diesen Vorgang als Show-Veranstaltung und Imagepflege kritisiert.

Dass die vorweihnachtliche Gruppenreise auch zu PR-Zwecken der Regierung veranstaltet wurde, darf man annehmen. Aber das Leben des Ministers als Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt über die Bundeswehr ist auch wesentlich das Leben seiner Frau und seiner Familie. So wie es das bei den Soldaten ist. Diese Seite des Soldatenberufs herauszustellen ist richtig. Aufmerksamkeit auf die Situation der im Kampfeinsatz stehenden Soldaten, Männer und Frauen, gerade in dieser Zeit zu lenken, ist es ebenso. Und bedenkt man den Wandel von der Wehrpflicht- zur Berufsarmee sollte man auch kein Problem mit einer Talkshow aus dem Einsatzgebiet haben: Die Soldaten dürfen nicht als entfernte, noch dazu freiwillige militärische Dienstleister erscheinen; sie müssen in der Gesellschaft sichtbar sein und von ihr als Mitbürger und Mitmenschen empfunden werden. Das Medium Fernsehen ist dazu richtig gewählt.

Da kann man nur den Kopf schütteln, wenn dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel nichts anderes als parteipolitische Polemik einfällt; er meinte, da würde noch Frau Katzenberger (als blondes Sexsymbol) fehlen, dann hätten wenigstens die Soldaten etwas davon. Er hat nicht wirklich an die Soldaten gedacht.

MV