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Guernica ?

Stand: Mai 2017

Fakten - Kurzfassung:    

Der umstrittene Luftangriff auf Guernica im Spanischen Bürgerkrieg wurde lange Zeit allein der deutschen Legion Condor angelastet, der auch leichte italienische Bomber unterstellt waren. Eine spanische Beteiligung war indirekt aus der taktischen Lage zu folgern, wird aber erst seit 1981 durch offene Quelllen bestätigt. Als Hauptwaffe wurden von Deutschland produzierte Ju 52-Behelfsbomber eingesetzt und zwar mit spanischen Hoheitszeichen, was eine nationale Zuordnung vom Boden aus verhinderte.    

Guernica, der heilige Ort der Basken, brannte nieder. Die seither berichteten Opferzahlen rangieren zwischen 100 und 3.000, aber ohne nachvollziehbare Unterscheidung von Soldaten und Zivilisten. Die links-sozialistische Antifa verbreitete, dass es sich um einen Terrorangriff gegen die Bevölkerung, ein Flächenbombardement und um Vorbereitungen für den Zweiten Weltkrieg handelte. Diese Version bestimmte die deutsche Meinungsbildung nach 1945. Auch Bundespräsident Herzog entkam dem nicht, als er sich 1997 zum 60. Jahrestag gegenüber Spanien zu deutscher Schuld bekannte.    

In Wirklichkeit ging es darum, den Rückzug spanischer Volksfront-Truppen in Richtung Bilbao zu unterbinden, so dass Franco, der spätere Diktator Spaniens, das Baskenland besetzten konnte. Der Zweck wurde in gemeinsamen Land- und Luftoperationen Franco-spanischer (national-spanischer), italienischer und deutscher Kräfte erreicht. Dabei wäre ein Angriff auf Guernica als Stationierungsort von drei Volksfront-Bataillonen, Produktionsstätte von Waffenteilen und auf dem Marschweg des Gegners legitim gewesen. Die Legion Condor wurde jedoch auf ein Punktziel, die Oca-Brücke im Vorort Renteria und die dortige Straßenkreuzung, angesetzt. Dies ist seit 1975 Stand der deutschen Geschichtsforschung und heute auch in Spanien.    

Es sind dennoch viele Fragen offen, besonders wegen des Aufklärungsdefizits im Spanien der Nach-Franco-Ära. So wurde nie ermittelt, wie es zum Feuersturm in Guernica kam. Aufgrund der örtlichen und zeitlichen Fakten sind die deutschen Bomber die unwahrscheinlichste Ursache. Richtig ist hingegen, dass der Einsatz der Legion Condor von Burgos aus erfolgte, mit der national-spanischen Führung abgesprochen war und mit deren Bomberbasis Vitoria - auf halbem Weg zwischen Burgos und Guernica! - koordiniert wurde. Was bisher im Dunkeln liegt, ist daher vor allem von spanischer Seite zu klären. Rüde Propaganda bleibt indes der Vorwurf von Terrorangriff und Flächenbombardierung: Bis heute ist es ein sozialistisches Trauma, dass die spanische Volksfront trotz starker Unterstützung durch sowjetisches Militär den Krieg verlor.   

Ausführlicher und mit mehr Hintergrund:

Die baskische Kleinstadt Guernica (Gernika) ist im Spanischen Bürgerkrieg am 26.04.1937 von Flugzeugen der deutschen Legion Condor, der italienischen Interventionstruppen und der national-spanischen Streitkräfte zerstört worden, wobei ein Teil der Zivilbevölkerung ums Leben kam. Mölders war zu der Zeit Staffelkapitän in Wiesbaden: Was hat er mit dieser Militäroperation zu tun? Nichts - und dennoch wurde er in seinem ”zweiten Leben” (Braatz) dafür moralisch in Haft genommen. Es ist eine Geschichte des Gegensatzes von Fakten und Propaganda:

Guernica symbolisiert einen Luftkrieg, der vor Terrorangriffen und bedenkenlosen Flächenbombardements nicht Halt macht. Aber das Bild trügt: Der besonders gegen die Legion Condor gerichtete Vorwurf, man habe im Spanischen Bürgerkrieg solche Angriffe geprobt, ist politisch, völkerrechtlich und militärisch falsch. Er ist Teil einer schon während des Kriegs entstandenen Propagandaversion, wonach die `Guten´ (die von der Sowjetunion und internationalen Freiwilligenverbänden unterstützte sozialistische Volksfront, “Republikaner” genannt) von den `Bösen´ besiegt worden sind (den von Italien und Deutschland unterstützten “Nationalen”, später auch “Frankisten” genannt). Dies ist der Ausgangspunkt der sogenannten “Antifa”-Propaganda”, die mit großem Erfolg frühzeitig alle verfügbaren publizistischen Mittel nutzte - Presse, Literatur (Hemingway und Orwell), Kunst (Picassos Bild “Guernica”), Film und Radio. Sie hat in der öffentlichen Meinungsbildung eine weitgehende Deutungshoheit über den Spanischen Bürgerkrieg erlangt, begünstigt  durch die Ächtung des Deutschen Reichs nach dem Zweiten Weltkrieg, ferner den kriegsbedingten Verlust von deutschen Aktenbeständen. Dennoch reicht die Quellenlage aus, um die Propaganda-Vorwürfe mit deutschen und internationalen Quellen zu widerlegen.

Zunächst: Es geht hier nicht um eine Spekulation, was aus Europa geworden wäre, wenn nach der Sowjetunion auch in Spanien ein kommunistisches Regime die Oberhand gewonnen hätte, noch dazu als Nachbar des damals nach links driftenden Frankreichs (1). Ebenso wird hier nicht der Frage nachgegangen, mit welchem Ziel und Recht das Deutsche Reich in die innerspanischen Auseinandersetzungen eingegriffen hat (2).

Spanien war seit langem ein unruhiges Land. Bei den aufbrechenden Konflikten, deren Ursachen schon im 19. Jahrhundert zu finden sind, ging es einerseits um das Bewahren der staatlichen und gesellschaftlichen Strukturen, andererseits um deren Modernisierung, um die gerechtere Verteilung des Wohlstands und um gesellschaftliche Liberalisierung. Man war dabei zunehmend bereit, eigene Positionen mit Gewalt zu verteidigen oder den politischen Gegnern aufzuzwingen. Der Reformbedarf  war allerdings groß; notwendige Veränderungen blieben aus. So kam es zu der explosiven Situation in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts und zum Bürgerkrieg 1936 - 39. Er wird aufgrund der Intervention ausländischer Mächte eher unter dem Denkschema “hier Faschismus, dort Kommunismus” betrachtet, die Dimension des innerspanischen Reformbedarfs bleibt dabei außer Betracht. Die historischen Gegensätze wirken in Spanien aber immer noch fort, zumal auch die “Vergangenheitsbewältigung” des Bürgerkriegs keineswegs abgeschlossen ist.

1935 standen sich die politischen Lager  “Frente popular” (Republikaner) und “Frente nacional” (Nationale) gegenüber. Nach demokratischen Wahlen im Frühjahr 1936 entstand die erwähnte Volksfrontregierung, die von der Sowjetunion als Hebel für ihre Einflussnahme auf die politischen Entwicklungen Europas gesehen wurde. Die Regierungsbildung führte nicht zur Beruhigung der Lage: Nationalistische Extremisten verübten Terroranschläge; Linkssozialisten, Kommunisten und Anarchisten übernahmen gewaltsam die Kontrolle über Teile des Landes. Spanien war nun ein Tummelplatz für Revolutionäre und Konterrevolutionäre. Die Regierung unternahm keine wirksamen Schritte gegen anhaltende Kirchenverbrennungen, Folterungen und Morde an Priestern, Ordensleuten und Nonnen, an die Papst Benedikt XVI. 2008 erinnerte. Der Verfall der staatlichen Ordnung, verbunden mit wirtschaftlichem Niedergang, setzte sich fort und die Ermordung des Führers der parlamentarischen Opposition, C. Otelo, durch Polizeiorgane war ein Auslöser für den schon geplanten Putsch der Nationalen (siehe hierzu: Wege_aus_dem_Chaos). Der zum “Generalissimus” ernannte Francisco Franco war einer der Generale, die mit Hilfe des Militärs das Chaos überwinden und eine konservative Ausrichtung Spaniens erzwingen wollten. Er war auf zusätzliche militärische Unterstützung angewiesen und erhielt sie vor allem von Italien, aber auch vom Deutschen Reich, das die erwähnte Legion Condor entsandte: Luftstreitkräfte mit etwa 5000 Soldaten und anfänglich bescheidener, dann steigender Kampfkraft. Die erst seit 1935 als Teilstreitkraft in Aufstellung befindliche Luftwaffe verfügte zunächst nicht über moderne Kampfverbände; so setzte die Legion Condor 1937 vor allem umgebaute Ju 52-Transportflugzeuge als Behelfsbomber und sogar noch offene Doppeldecker als Jagdflugzeuge ein.(3)

Guernica ist ein traditionsreicher Ort mit historischer und kultureller Bedeutung für das Baskenland. Angeblich wurde er deshalb zum Angriffsziel und hier beginnt die Legende vom Terrorangriff. Aber nicht der Ort selbst, sondern seine geographische Lage und Verkehrswege machten damals die militärische Bedeutung aus. Im übrigen war Guernica eine Garnisonstadt mit drei republikanischen Bataillonen (“Saseta”, “Loiola”, “Gernikako Arbola”; im Zentrum sowie am Rand von Guernica in Klosteranlagen stationiert; zeitweilig auch das kommunistische Bataillon “Rosa Luxemburg”), deren Kampftruppen zur Zeit des Angriffs aber nicht in der Stadt lagen. Es gab ferner drei kleine Waffenfabriken zur Herstellung von Handfeuerwaffen und Bombenteilen.

Der Angriff deutscher, italienischer und spanischer Kampfflugzeuge sollte Absetzbewegungen von republikanischen Verbänden in für sie günstigere Verteidigungsräume im Raum Bilbao verhindern und deshalb die Marschstraßen hinter der Front unterbrechen. Dass es sich bei dem dazu geplanten Einsatz um eine taktische Operation - nämlich Abriegelung aus der Luft (NATO: Air Interdiction) - handelte, ist eine durch Quellen und insbesondere durch die Auswertung des Trefferbildes gesicherte Tatsache. Zur Einsatzplanung und zum Operationsverlauf im Einzelnen siehe Vor_und_nach_dem_Angriff.

Für den Vorwurf des Terrorangriffs wurde aber darauf verwiesen, dass beim Einsatz gegen Guernica auch Brandbomben abgeworfen worden sind, die - so die Behauptung - nicht gegen die Verkehrsinfrastruktur, wohl aber in Wohngebieten Wirkung erzielen. Bomben mit hoher Präzision und Durchschlagskraft, wie wir sie heute kennen, gab es jedoch noch nicht. Die verwendete Mischung aus Spreng-, Splitter- und Brandbomben, eine Standard-Beladung, war zwar für die Zerstörung der festen Brücke über die Oca - das zentrale Angriffsziel - nicht optimal, wohl aber zur Bekämpfung der nur leicht mechanisierten Infanterie auf den Straßen, also auf der Brücke und deren Zuwegen. Bei Abriegelungseinsätzen geht es darum, gegnerische Truppen an Engstellen (NATO: Chokepoints) zu stauen, so dass sie ein großes Ziel bieten. Hierauf war der Luftangriff ausgerichtet.

Die These vom Flächenbombardement - oder dessen Erprobung - ist von vornherein absurd: Maßstab hierfür wären `Bomberströme´ und ausgedehnte `Bombenteppiche´, wie sie im Zweiten Weltkrieg von den USA und Großbritannien gegen deutsche Verkehrseinrichtungen, Industrie- und städtische Ziele von strategischer Bedeutung gerichtet worden sind. Die deutsche Luftwaffe hatte solche Bomber im Spanischen Bürgerkrieg nicht zur Verfügung und sogar im Zweiten Weltkrieg lag die Priorität der deutschen Bomberbeschaffung noch bei sturzkampffähigen Flugzeugen zur Punktzielbekämpfung. Der deutsche Angriff auf Guernica erfolgte jedenfalls mit Ju 52-Behelfsbombern sowie wenigen leichten und mittleren Bombenflugzeugen. Für die eingesetzte Bombenlast gibt es unterschiedliche Schätzungen, dabei sind für den deutsch-italienischen Anteil bis zu 17 Tonnen nachvollziehbar; höhere Angaben (bis zu 40 t) sind mit der Beladung der deutschen und italienischen Bombenflugzeuge nicht erklärbar. Der Kräfteansatz entsprach jedenfalls der Bedeutung des Ziels in der damals prekären militärischen Lage. Und dass der Angriff auf ein kleinräumiges Ziel ausgerichtet war, ist Stand der Geschichtswissenschaft, wie Oberst Dr. Heinemann, Leiter Forschung im Militärgeschichtlichen Forschungsamt (MGFA, heute ZMSBw), 2009 in einem Zeitschriftenartikel bestätigt hat. Auch im Friedensforschungszentrum (Friedensmuseum) von Guernica wird die Oca-Brücke in Guernicas Vorort Renteria als Ziel angegeben. Zum Vergleich siehe (4).

Abriegelungseinsätze sind heute wie damals völkerrechtlich zulässig. Es kam aber zur Zerstörung Guernicas und einem hohen Blutzoll der Menschen in der Stadt, wobei die berichteten Opferzahlen weit auseinander gehen und propagandistisch mißbraucht wurden. In der Aufarbeitung des Bürgerkriegs durch spanische Historiker in den 1980er-Jahren kommt die Angabe “Hunderte von Personen” auf, jedoch fehlt eine Unterscheidung zwischen Kombattanten und Nicht-Kombattanten (5). Der Angriffsverlauf ist heute aber so weit geklärt, dass die erste Phase, durchgeführt von deutschen und italienischen Kampfflugzeugen, den Norden des Stadtgebiets gestreift hat. Dabei wird es einige Opfer und zerstörte Gebäude sowie auch lokale Brände gegeben haben, aber die Zerstörung der Stadt und die berichteten Opferzahlen können darauf nicht zurückgeführt werden. Die zweite Phase wurde von spanischen Kampfflugzeugen durchgeführt und ist nicht ausreichend erforscht; hierzu müsste Spanien seine Quellen auswerten und verfügbar machen, was bisher aus politischen Gründen unterblieb. Die dritte Phase, der deutsche Hauptangriff, hat keine städtischen Gebiete getroffen und erfolgte zu einem Zeitpunkt, als die Stadt bereits lichterloh brannte. Ob kleinere Flugzeuge im Bodeneinsatz Brände ausgelöst haben, die sich dann wegen der militärischen und zivilen Brandlasten im Ort (wie Betriebs- und Schmierstofflagerung) schnell ausbreiteten, wäre nur Spekulation, wofür es keine konkreten Anhaltspunkte gibt. Eine Hauptursache für die Tragödie von Guernica ist mit der bisher bekannten Quellenlage jedenfalls nicht auszumachen. Der Führung der Legion Condor  ist zugute zu halten, dass sie mit den ihr zur Verfügung stehenden Kräften eine prekäre militärische Lage auflösen wollte und zwar durch die Bekämpfung des Schlüsselziels Oca-Brücke und Straßenkreuzung in der Vorstadt Renteria. Die Zerstörung Guernicas war nicht Teil des Operationsplans! (6).

Die völkerrechtliche Beurteilung muß auf der Rechtslage von 1937 beruhen: Seit dem 4. Haager Abkommen von 1899 ist es für die Beurteilung eines Vorfalls unerheblich, ob die Kriegsbeteiligung des betreffenden Landes völkerrechtlich gedeckt ist oder nicht. Die Beurteilung jeder Kriegshandlung steht in ihrem eigenen Recht. Dazu kann angenommen werden, dass die Regeln der Haager Landkriegsordnung von 1907 seinerzeit auch für den Luftkrieg akzeptiert wurden. Dennoch steht ihre Verbindlichkeit für den Spanischen Bürgerkrieg prinzipiell in Frage (7). Selbst wenn sie zu bejahen ist, kommt es darauf an, ob Guernica eine unverteidigte (sog. offene) Stadt war. Das nach der Landkriegsordnung bestehende Verbot, eine solche Stadt anzugreifen, war schon 1935 in eine gleichlautende Vorschrift der deutschen Luftwaffe übernommen worden. Nur kann man Guernica nicht als unverteidigt einstufen! Ebenso treffen heutige Vorstellungen zum Schutz der Zivilbevölkerung hier nicht zu. Auf einer Konferenz in Tokio 1934 wurde zwar der Entwurf weitergehender Vorschriften verabschiedet; er trat aber nie in Kraft. Im damaligen Kriegs- und humanitären Völkerrecht finden sich also keine Vorgaben, die eine Verurteilung der gegen Guernica operierenden Kommandeure begründen könnten! (8).

Als Fazit ist festzuhalten: Der Luftangriff der Legion Condor auf Guernica war ein taktischer Einsatz zur Unterstützung der Bodenoffensive national-spanischer Landstreitkräfte bei der Eroberung Nord-Spaniens. Er war weder ein Terror- noch ein Flächenangriff. Der Ort wäre selbst ein legitimes militärisches Ziel gewesen; das befohlene und geplante Ziel war jedoch die Brücke in der Vorstadt Renteria mit ihren östlichen Zuwegen. Die Befehlsgebung der Legion Condor für den Angriff beinhaltet kein Kriegsvergehen; zur Einsatzdurchführung ist keine einzige Völkerrechtsverletzung belegt. Dies gilt ebenso für das italienische Kontingent. Die oft behauptete besondere Rücksichtslosigkeit des Angriffs ist eine Bewertung; tatsächlich sticht Guernica weder nach Opferzahlen noch militärischem Vorgehen aus dem mit großer Härte geführten Spanischen Bürgerkrieg heraus.

Eine allgemeingültige moralische Bewertung wird aufgrund unterschiedlicher persönlicher wie politischer Sichtweisen nicht erreichbar sein. So hat nicht einmal die rechtsstaatliche Selbstverständlichkeit, dass vor einer Verurteilung alle Fakten bekannt sein sollten, den Deutschen Bundestag 1998 von einer leichtfertigen Verdammung der beteiligten Soldaten abgehalten. Es hätte vorher insbesondere einer geschichtswissenschaftlich gesicherten Abschätzung der tatsächlichen Opferzahlen bedurft. Aber Ungewißheit über die persönliche Schuld von Verantwortlichen schmälert nicht das Bedauern unnötiger Opfer, wie es Bundespräsident Herzog 1997 gegenüber dem spanischen Volk ausgedrückt hatte.

Die “Antifa”-Propaganda münzt die Niederlage der Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg um in eine Anklage. Die Sieger sind demnach samt und sonders Kriegsverbrecher. Mölders, dem keinerlei unethisches oder völkerrechtswidriges Verhalten nachzuweisen ist, diente ein Jahr nach Guernica und für sieben Monate bei der Legion Condor. Das genügte, um ihn in die pauschale Verdammung einzubeziehen.(9) An andere Offiziere der Legion Condor, die den Zweiten Weltkrieg überlebt und in der Bundesrepublik verdienstvoll gewirkt haben - beispielsweise der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr General Trettner, 1938 Führer einer Bomberstaffel in Spanien - kam man nicht mehr publikumswirksam heran.

M.V., teilweise nach Unterlagen von Dr. H. Hagena, Dr. H. Boog und G. Lange

(1) Es war nicht ausgemacht, dass die Nationalen gegenüber den Republikanern die Oberhand gewinnen würden. Beispielsweise hätte es zu einer Spaltung des Landes mit einem republikanischen Landesteil unter sowjetischem Einfluß kommen können.

(2) Wer sich für die Gründe der deutschen Einmischung interessiert, wird schnell sehen, wie wenig sie mit der national-sozialistischen Ideologie oder Hitlers strategischer Zielsetzung zu tun hatte. Sie war vor allem eine Gelegenheit, als internationaler Akteur aufzutreten und das Wiedererstarken des Deutschen Reichs - nach dem Versailler Diktat und dem Versagen der Weimarer Republik - zu beweisen.

Hitler hatte sich zunächst mit der Unterstützung für die Nationalen zurückgehalten, wohl auch mit Rücksicht auf Großbritannien, das eine Politik der Nichteinmischung verfolgte. Selbst nach dem eindringlichen Hilfeersuchen Francos am 24.07.1936 an Hitler persönlich blieb noch unklar, wie weit sich Deutschland in den Krieg hineinziehen lässt. Goebbels in seinem Tagebuch: “Wir beteiligen uns ein bißchen in Spanien. Nicht sichtbar. Wer weiß, wozu es gut ist.” Im Kriegsverlauf entwickelte sich die deutsche Militärintervention aber zu einem mitentscheidenden Faktor für den Sieg Francos.

(3) Immer wieder wird behauptet, die Luftwaffe habe den Spanischen Bürgerkrieg vor allem als Testfeld für ihre neuen Waffensysteme genutzt und mit hochmodern ausgerüsteten Verbänden maßgeblich die Kriegsentscheidung herbeigeführt. Dabei werden gern Notizen von Hermann Göring als Beleg herangezogen, aber deutlich überinterpretiert. Tatsächlich verfügte die Legion Condor im ersten Halbjahr 1937 nur über eine Handvoll neuer, in einer Versuchsstaffel zusammengefassten leichter bis mittlerer Bomber, deren Bestand später aufwuchs. Der angeblich massive Einsatz von Sturzkampfbombern (Stukas) ist ebenfalls eine Legende: Ab Ende 1938 gab es dort eine kleine Zahl (“Kette”) von Stukas, die zunächst nicht einmal eine eigene Einheit bildeten (Quelle: Bundesarchiv). Der größte und entscheidende Kampfkraftgewinn kam mit der frühzeitigen Einführung leistungsfähiger Jagdflugzeuge (Messerschmitt Bf 109), mit denen die Luftüberlegenheit errungen werden konnte. Daran war Mölders beteiligt.

(4) Im Zweiten Weltkrieg gab es 97 registrierte Luftangriffe gegen München mit 12.100 Flugzeugen, die 27.000 Tonnen Bomben abwarfen - also rund 270 Tonnen (umgerechnet 1.080 Bomben mit 250 kg Gewicht) und 120 Flugzeugen pro Angriff, über 2 Tonnen Bombenzuladung pro Flugzeug. Gegen Guernica wurden von der Legion Condor, die über einen einzigen (!) Bomberverband verfügte, hauptsächlich 18 Ju 52 mit je einer 250 kg-Bombe eingesetzt, deren Wirkung durch leichtere Splitter- und Brandbomben verstärkt wurde. Die mit Guernica eher vergleichbare deutsche Kleinstadt Mayen (Eifel) wurde im Januar 1945 mit 70 Bombern angegriffen, die jeweils eine unvergleichlich höhere Bombenlast mit sich führten.

(5) Vergleicht man die Bevölkerungs- und Opferzahlen Guernicas mit denen deutscher Großstädte, die im Zweiten Weltkrieg von alliierten Bombern angegriffen wurden, erscheint diese Schätzung im obersten Bereich eines realistischen Schätzspektrums. Zudem müssen besondere Faktoren eine Rolle gespielt haben wie fehlende Evakuierungsplanung, mangelnde zivil-militärische Führung und Panik (mangels “Erfahrung” mit Luftangriffen).

Wichtig wäre eine wissenschaftliche Quellensichtung, um die Opferzahlen nach Kindern (bisher nicht bekannt!), Frauen (bisher nicht bekannt!), Zivilisten und Kombattanten (bisher nicht aufgeschlüsselt!) nachvollziehen zu können. Nur dieses Ergebnis ließe einen Rückschluss auf das tatsächliche Geschehen zu.

(6) Dem deutschen Stabschef, W. von Richthofen, wurde unterstellt, dass er im Spanischen Bürgerkrieg auf die Zivilbevölkerung wenig Rücksicht genommen hat. Nicht zuletzt deshalb findet man in der historischen Überlieferung - ohne den notwendigen Nachweis - Namen von spanischen Orten, wo die Legion Condor unterschiedslos auch die Zivilbevölkerung angegriffen haben soll. Ein krasses Beispiel ist die Bombardierung Leridas (Lleida) am 02.11.1937, die zahlreiche Opfer forderte: Jahrzehntelang der Legion Condor angelastet, zeigte sich schließlich, dass der Angriff von der italienischen Luftwaffe durchgeführt worden war.

Die von der MöldersInfo verwendeten Quellen belegen indes, dass die Legion Condor regulär kämpfte. Und Angriffe sind nicht schon deshalb illegitim, weil sie bewohnte Gebiete einschließen, beispielsweise wenn sich Kampftruppen dort verschanzen oder versorgen. Deshalb kommt man um die Mühe, den Einzelfall zu prüfen, nicht herum. Die angebliche Haltung von Richthofens ändert nichts an der Bewertung der Operation gegen Guernica; sie ergibt sich aus dem zugrunde liegenden taktischen Konzept, das mit Quellen und Fakten eindeutig belegt ist. Was Mölders anbelangt: Er war ohnehin an keiner der öffentlich kritisierten Bombardierungen beteiligt.

(7) Auf einen Bürgerkrieg prinzipiell nicht anwendbar. Im Verlauf des Bürgerkriegs wurden beide Seiten international jedoch zunehmend als kriegführende Parteien im Sinne der Haager Abkommen betrachtet; war das völkerrechtlich bindend? Und mit Blick auf die Allbeteiligungsklausel: Hatten sich beide Seiten zur Einhaltung der Haager Landkriegsordnung verpflichtet und daran gehalten? Wenn nicht, inwieweit galt eine einseitige Bindung?

(8) Nach dem Zweiten Weltkrieg ist das Kriegs- und humanitäre Völkerrecht weiter entwickelt worden. Heute spricht man vom Humanitären Völkerrecht in bewaffneten Konflikten, um damit unterschiedlichen Formen bewaffneter Auseinandersetzungen Rechnung zu tragen. Und unser Grundgesetz legt in Art. 25 fest, daß die allgemeinen (also anerkannten) Regeln des Völkerrechts unmittelbar gelten und den Bundesgesetzen vorgehen.

Allerdings besteht eine für die Beurteilung des Angriffs auf Guernica bedeutsame Rechtsproblematik bis heute. Schon die Abfassung des 4. Haager Abkommens und der Haager Landkriegsordnung wurde von dem Prinzip geleitet, dass die Anwendung humanitärer Vorschriften sich nicht grundsätzlich von militärischen Gegebenheiten lösen soll. Dies erfordert eine Abwägung der Anwendbarkeit und Rechtskraft von internationalen Abkommen, wie man sie hierzulande nicht gewohnt ist. In der deutschen Politik zählt eher die ethische Gesinnung, in der eine hochmögende Präambel vereinbart wurde, während im Angelsächsischen die konkret ausformulierten (und daher nicht so umfassenden) Einzelbestimmungen maßgebend sind: Denn das Völkerrecht bezweckt nicht, einen Krieg, der trotz vorheriger Friedensbemühungen ausgebrochen ist, unführbar zu machen. Dies wäre in der Völkergemeinschaft nicht durchsetzbar. Allgemein zu den rechtlichen Grundlagen heute: Recht ist Tradition

(9) Neben der pauschalen Ächtung aller Soldaten der Legion Condor, von der Mölders erfasst wurde, suchten die Linken nach Vorgängen aus dem Jahr 1938, die man ihm auch persönlich anlasten konnte. Dabei ist es zu einer dreisten Irreführung und Fälschung unter Beteiligung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gekommen, die man heutzutage kaum für möglich halten sollte. Siehe Corbera d`Ebre.