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Glosse 3.09

......................Heinemann und Berger … ein Potsdamer Duett

Die Wochenzeitung „Zeitungszeugen“ hat in ihrer Nummer 21/09 einen ganzseitigen Artikel „Spanien als Testfeld für die deutsche Luftwaffe“ von Oberst Dr. Winfried Heinemann, Leiter der Abteilung Forschung im MGFA, veröffentlicht. Über den Angriff deutscher, (von ihm nicht erwähnter) italienischer und spanischer Luftstreitkräfte auf Guernica (1937) schreibt er:

„ … Es war der erste Bombenangriff gegen eine bewohnte Stadt … Der Angriff wurde sofort von der republikanischen Seite als Terrorangriff gebrandmarkt, aber die Forschung geht heute davon aus, dass er in Wirklichkeit als Angriff auf die in Guernica gelegene Flussbrücke geplant und befohlen war, über die eine wichtige Rückzugstraße der republikanischen Verbände führte. …“

Heinemanns Formulierungen sind teilweise klärungsbedürftig. Wenn “bewohnte Stadt” etwas Anrüchiges andeuten soll, muss doch entgegnet werden, daß die republikanischen Streitkräfte den Ort zur Stationierung eigener Truppen genutzt hatten, die erwähnte Rückzugstraße durch den Ort führte und die Stadt verteidigt war. Und schon damals war von den angegriffenen Truppen zu verlangen, daß sie zum Schutz ihrer eigenen Zivilbevölkerung beitragen, nämlich durch Evakuierung und andere Schutzmaßnahmen. All dies würde keine unterschiedslose Bekämpfung von militärischer Truppe und Zivilbevölkerung rechtfertigen, aber die war – das sieht Heinemann klar – nicht geplant und nicht befohlen.

Die Feststellung, dass die Forschung “heute” nicht von einem Terrorangriff ausgeht, ist für einen erfahrenen Historiker insofern erstaunlich, als dazu die grundlegenden Forschungsergebnisse seit Jahrzehnten – und übrigens lange vor dem Bundestagsbeschluss zu Guernica von 1998 – vorgelegen haben. Natürlich waren sie dem MGFA zugänglich; das Amt hat daran früher selbst mitgewirkt (Klaus A. Maier, 1975). Deshalb sollte nicht versucht werden, die wissenschaftliche Fehlleistung des MGFA-Sondergutachters zur Traditionswürdigkeit von Mölders, die sich zu einem erheblichen Teil auf den Luftwaffen-Einsatz im Spanischen Bürgerkrieg stützt, durch die Zeitangabe „heute“ zu relativieren.

Wichtiger als die Auseinandersetzung mit einzelnen Formulierungen sind aber die grundsätzlichen Folgerungen aus Heinemanns Feststellung: Erstens wird dem Bundestagsbeschluss von 1998 durch ein Organ der Bundesregierung die historische wie auch moralische Grundlage entzogen – der Beschluss sollte auf Betreiben der Linken nicht nur das Bedauern über die Tragödie von Guernica ausdrücken, sondern im gleichen Atemzug erstmals in der Geschichte des Bundestages den Angehörigen einer ganzen militärischen Formation, der Legion Condor, pauschal die Ehre absprechen. Der Beschluss beruht also auf falschen Tatsachenbehauptungen und müsste revidiert werden. Zweitens, die Bewertung der deutschen Beteiligung am Spanischen Bürgerkrieg wurde wesentlich von dem behaupteten „Terrorangriff“ auf Guernica beeinflusst und das MGFA ist bis jetzt nicht von der Auffassung abgerückt, dass die Legion Condor mit äußerster Brutalität und ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung vorgegangen ist. Es wird Zeit, die auch dazu seit langem bekannten Fakten im Zusammenhang darzustellen und – unter Nutzung einschlägiger militärischer Expertise! – das begründbare Bewertungsspektrum aufzuzeigen.

Ob es dazu kommt? Hauptmann Berger, Angehöriger des MGFA und Vorsitzender des Bundes jüdischer Soldaten, vertritt genau die gegenteilige Auffassung, insbesondere zu Guernica. Er ereifert sich in einem Zeitungsartikel („Freitag“, ebenfalls Juni 2009!) über die vermeintlichen deutschen Verbrechen im Spanischen Bürgerkrieg und versteigt sich zu der Anschuldigung, daß auch heute noch Generale ehemaligen Soldaten der Legion Condor und damit vielfachen Kriegsverbrechern Respekt erweisen; er wird dabei wohl an Mölders gedacht haben – für ihn offenbar einer der Schlimmsten im NS-Staat! Jedenfalls hat er seine Auffassung so auch in einem Redeentwurf für die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Frau Knobloch, niedergelegt und der Inhalt ist von ihr im Zusammenhang mit Mölders verwendet worden. Berger hat die Antifa-Propaganda zum Spanischen Bürgerkrieg voll verinnerlicht, steht in einer Reihe mit Linkssozialisten alter Prägung, mit dem bekannten Oberstleutnant Rose und dem Darmstädter Signal.

So geht es also zu: Ideologie steht gegen Wissenschaft und der von Sachkenntnis unbefleckte Hauptmann wird gegenüber dem fachlich zuständigen Oberst wohl die Oberhand behalten. Nachtrag 2015: Diese Wette wurde verloren, denn die fundierte Auffassung des Oberst setzte sich durch - und insoweit die historische Wahrheit.

M.V.

Zu den historischen Fakten siehe auch    Guernica