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Innere Führung

Mölders war gläubiger Katholik, auch wenn er es im Dienst strikt vermied, dies nach außen zu tragen. Es ist sicher richtig, daß sich die Art und Weise, wie er führte und mit den Soldaten umging, aus seinem christlichen Menschenbild herleitete. Die Wertebindung, die im “Traditionserlaß” gefordert wird, tritt hier klar hervor. Zur Verdeutlichung soll eine Zusammenfassung von Aussagen dienen, die der Mölders-Biographie von Braatz (S. 295 -299) entnommen wurden.

Im Frühjahr 1941 wurde ein Psychologe, Prof. Dr. Skawran, in Mölders´Geschwader aufgenommen, um im Auftrag der Luftwaffen-Führung Grundlagen für die Personalauswahl und Schulung von Jagdflugzeugführern zu erarbeiten. Er notierte: “Auf mich hat Mölders von allen, die ich hier kennen lernte, den stärksten Eindruck gemacht. Für sein Alter ist er von einer unvorstellbaren Reife und Sicherheit im Urteil und dabei von einer menschlichen Güte, die alle seine Leute für ihren ´Vati´ Mölders durchs Feuer gehen läßt. Bei aller Freundlichkeit aber gibt er eine gewisse Zurückhaltung nie auf. Allen gegenüber wahrt er einen gewissen Abstand.

Wenn Mölders keine Einsätze flog oder Termine hatte, war er für jeden Angehörigen seines Geschwaders zu sprechen. Er suchte den persönlichen Kontakt durch häufige Besuche bei seinen Staffeln und Gruppenstäben. So entstand eine Vertrauenskultur, in der sich jeder ernstgenommen fühlte und Fehler schnell korrigiert werden konnten, weil sie nicht aus Furcht vor einer anonymen, unberechenbaren Hierarchie bemäntelt werden mußten.

Skawran berichtet von einer Episode, die ihm als Außenstehendem typisch erschien. Es ging um die Bestrafung eines unpünktlichen Soldaten, die vom Adjutanten - einem studierten Juristen und gerade auch wegen dieser Qualifikation von Mölders geschätzt - gefordert worden war: Am Ende meinte der Kommodore, daß die Juristen nun einmal so seien: Eine Untat sei eine Untat und wer sie begangen hat, müsse bestraft werden. Er, Mölders, suche aber den Fehler immer erst beim Vorgesetzten. Ein Soldat, der sich nicht drückt, wenn er kann, sei eben kein richtiger Soldat.

Das kennt jeder Kommandeur: Man muß sich immer wieder klar werden, wie die eigene Rolle im Verband zu verstehen ist und bestmöglich wahrgenommen werden kann. Mölders hat dazu, anscheinend in erster Linie für sich selbst, Gedanken schriftlich festgehalten und sogar noch 1940/41 ganz allgemein über `Befehl und Gehorsam´nachgedacht: “Autorität darf nicht auf Gewalt beruhen. Sie ist eine Angelegenheit der sittlichen und geistigen Überlegenheit des Vorgesetzten. Der Stolz auf die eigene Untadeligkeit muß im Soldaten das Gefühl der notwendigen Unterordnung überstrahlen. ... Es ist einfach zu sagen. Ihr habt blind jedem Befehl zu gehorchen und nicht zu fragen. Hinter dem Befehl steht die Macht eurer Vorgesetzten, die jeden Ungehorsam brechen werden. Diese Einstellung verkörpert den Militaristen. Ein guter Vorgesetzter wird seine Soldaten so belehren: Ohne Gehorsam kann keine Truppe bestehen. Eure Vorgesetzten können euch zum Gehorsam zwingen, aber ich möchte, daß ihr euch freiwillig unterordnet, aus Überzeugung, daß es so sein muß. Denn Gehorsam ist freiwillige Disziplin. Aus Achtung vor eurer Uniform und aus Achtung vor euch selbst sollt ihr gehorchen. ... Wir brauchen selbstgewählte Ordnung, aber keine Spindschnüffler. Wir wollen auf der Straße tadellos erzogene Soldaten, aber keine Hacken zusammenknallenden Drahtfiguren. Die Grußpflicht ist selbstverständlich, wie auch unter Zivilisten. Aber der Vorgesetzte sollen den Gruß wirklich verdienen. ...”

Mölders führte eng und direkt, wo es an Willen und Können fehlte, redete andererseits leistungsbereiten und fachlich Qualifizierten nicht in die Wahl der Wege und Mittel hinein, so lange sie die befohlenen Ziele erreichten. Skawran befand: “ ... eines konnte man immer sagen: (Mölders Reaktionen) waren treffend und überlegen und von einer Treffsicherheit, um die ich ihn beneidete.”