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Neue Tradition?

Die Tradition der Bundeswehr soll die Haltung der Soldaten festigen, im täglichen Dienst wie im Einsatz. Hierzu sagte der Historiker Sönke Neitzel bei einer Podiumsdiskussion:

`... Die Wehrmacht sei in der Truppe immer noch ein präsentes Thema. Gerade seit dem Beginn der Auslandseinsätze sei die Suche nach Vorbildern aus Kriegen hinsichtlich Tapferkeit sowie militärischem wie ethischem Verhalten spürbar. “Selbst Afghanistan, sogar das Karfreitagsgefecht trägt nicht”, wisse er aus Gesprächen mit Soldaten. Er würde im Traditionsverständnis der Bundeswehr einen Rückgriff auf die Zeit vor 1945 in beschränktem Rahmen zulassen ... Zugleich betonte er, dass die Bundeswehr auf vieles in ihrer Geschichte stolz sein und dies auch zeigen könne.´

zitiert nach “Die Bundeswehr”, April 2018

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Der Traditionserlass des Bundesministers der Verteidigung (genauer: Richtlinien zum Traditionsvertändnis und zur Traditionspflege in der Bundeswehr) in der bis vor kurzem gültigen Fassung von 1982 hat viel zur  Klärung dessen, was traditionswürdig sein soll, beigetragen. Aber es ist notwendig, sich immer wieder der Aktualität und Überzeugungskraft der eigenen Tradition zu vergewissern. Die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen der letzten 35 Jahre - im militärischen Bereich vor allem die Aufgabe der Wehrpflicht und der Einsatz der Bundeswehr zur internationalen Krisenbewältigung - legten seit langem eine Neufassung nahe.

1982 ging es neben Grundsätzlichem zur Traditionsbildung und -pflege vor allem um das Verhältnis der Bundeswehr zur Wehrmacht und um erste Vorstellungen zur Entwicklung einer Nachkriegstradition der Streitkräfte. Während diese Leitlinien als Vorgabe für die politisch-historische Bildung der Soldaten umzusetzen waren, stagnierte die öffentliche Debatte über die Bundeswehr-Tradition meist in dem Bewusstsein, dass “sich nicht wiederholen dürfe, was vor 1945 war”; insofern blieb sie rückwärtsgewandt. Nun schöpfen Traditionsbildung und -pflege zwar aus der Vergangenheit, aber es geht dabei um das Beispielgebende, das in der Gegenwart und insbesondere für die Zukunft Orientierung geben kann. Der Impuls zur Überarbeitung des Traditionserlasses kam jedoch nicht aus dieser Aufgabenstellung, sondern aus der Befürchtung dass die Abgrenzung zur Wehrmacht nicht gelungen ist oder aufgeweicht wird. Siehe hierzu Ursula von der Leyen.

Die von Ministerin von der Leyen in Auftrag gegebene Neufassung wurde in Arbeitsgruppen vorbereitet, ist systematischer aufgebaut und breiter angelegt als der 1982er Erlass, in wichigen Details auch klarer. Allerdings gibt er weiterhin Raum für Interpretationen und er beseitigt nicht das Vollzugsdefizit, das die Traditionspflege der Streitkräfte auch noch nach 1982 vielerorts kennzeichnete. Wie die Traditionsdebatte künftig verläuft und die Traditionspflege sich entwickelt, bleibt Thema der MöldersInfo. Die bestehenden Texte/Artikel werden dementsprechend fortentwickelt, eine ausführlichere Kommentierung folgt.

Die Texte der neuen Richtlinien unter “Die Tradition der Bundeswehr “ und der Weisung von Ministerin von der Leyen zu deren Einführung werden hier wiedergegeben: Traditionserlass_Tagesbefehl_vdL, Traditionserlass.