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Wilhelm Frankl

Wilhelm Frankl war im Ersten Weltkrieg ein erfolgreicher deutscher Jagdflieger. Dabei zählen nicht nur seine Siege im Luftkampf, sondern auch sein Beitrag zur Entwicklung der neuen Jagdwaffe. Wegen seiner militärischen Leistung wurde er von Kaiser Wilhelm II. mit dem hohen Orden “pour le merite”  ausgezeichnet.

Frankl stammte aus einer jüdischen Familie, konvertierte aber 1916 zum Christentum. Deshalb zählt er nicht zu den etwa 12.000 deutschen Juden, die im Krieg gefallen sind. Der Übertritt zum christlichen Glauben war, wie bei vielen Juden im Kaiserreich, eine pragmatische Entscheidung, um die berufliche Karriere fortsetzen zu können; dies gilt besonders für die Soldatenlaufbahn. Obwohl den deutschen Juden seit der Reichsgründung 1871 die vollen Bürgerrechte zustanden, wurden sie in der beruflichen Praxis weiterhin diskriminiert. Man wurde nur als getaufter Christ in die Offizierslaufbahn übernommen, konnte so aber in hohe Ränge aufsteigen; selbst dann blieben bei vielen Offizierkameraden “innere” Vorbehalte gegen diese Aufsteiger. Frankl hat es nicht lange zu spüren bekommen: Er fiel 1917 als Leutnant bei einem Luftkampf, den er verlor.

Allgemein sahen sich die Juden Anfang des 20. Jahrhunderts in erster Linie als Deutsche. Indem sie ihren Patriotismus auch als Soldaten zeigten, behielten sie die Hoffnung, dass ihre Anerkennung als gleichwertige Mitbürger gelingen wird. Man muss sich bei solchen Themen mit bildhaften Kommentaren zurückhalten, aber es berührt schon, dass ein Mann wie Wilhelm Frankl und ein Architekt des Nationalsozialismus, Herrmann Göring, zusammen als Jagdflieger in einer Armee gedient haben. Natürlich gab es im Dritten Reich keine politische Erinnerung an die mutig kämpfenden jüdisch-stämmigen Soldaten des Ersten Weltkriegs.

Als 1973 das damalige Jagdgeschwader 74 in Neuburg/Donau mit dem Ehrennamen “Mölders” ausgezeichnet wurde, wollte man die Tradition der Luftwaffe breiter anlegen und benannte die Kaserne des Geschwaders in Neuburg/Grünau nach Wilhelm Frankl. Sie heißt so bis heute. Die “Mölderianer” haben anläßlich Frankls 100. Todestages an das Schicksal der jüdisch-stämmigen Soldaten erinnert.

Aus dem heutigen Traditionsverständnis der Bundeswehr ergeben sich dazu allerdings grundsätzliche Fragestellungen:

Es gilt zwar der Grundsatz, dass die Wehrmacht als Ganzes oder in Teilen nicht traditionswürdig sein kann, weil sie vom NS-Regime für seine Zwecke missbraucht wurde und sich die Wehrmachtführung wie ein Teil der Soldaten dabei schuldig gemacht haben. Aber ebenso kann die kaiserliche Armee nicht als traditionswürdig gelten - Stichworte: Angriffskrieg, Staat im Staate, erster Giftgaseinsatz, totaler U-Bootkrieg, ... Es ist historisch und politisch nicht ausdiskutiert, inwieweit die anfängliche nationale Begeisterung über den Beginn des Ersten Weltkriegs und die seinerzeitige soldatische Loyalität zum Kaiserreich der Traditionswürdigkeit einer militärischen Leistung oder soldatischen Persönlichkeit entgegenstehen könnte.

Bei Wilhelm Frankl machen ausgeprägter Patriotismus und herausragende militärische Leistung das Traditionswürdige aus. Nach der von der MöldersInfo repräsentierten Traditionsauffassung rechtfertigt dies die Benennung der Neuburger Kaserne auch heute noch. Nach Auffassung anderer an der Traditionsdebatte Beteiligter, auch unter den Offizieren, reichen Vaterlandsliebe und militärische Leistung für sich keinesfalls aus; eine Beurteilung aus unserem heutigen Demokratieverständnis heraus und in der Sichtweise deutscher Politik werden für unverzichtbar gehalten. In der Konsequenz gäbe es dann keine militärische Tradition, die nach 1848 (Paulskirche) bis 1948 ansetzen könnte (auch nicht aus der Weimarer Republik, die den Reichswehrsoldaten heute selbstverständliche Bürgerrechte vorenthielt). Die Auffassung von einem Neubeginn der Traditionsentwicklung nach 1945 wurde vor einigen Jahren in der Bundeswehr ernsthaft diskutiert, hat sich aber nicht durchgesetzt - auch Wilhelm Frankl wäre ihr Opfer geworden.