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Wolfrum

Nach dem Zweiten Weltkrieg durfte Walter Wolfrum mit britischer Hilfe wieder fliegen, lange bevor es in Deutschland erlaubt wurde. Er entwickelte sich zu einem Spitzen-Piloten im internationalen Kunstflug, konstruierte und baute den Acrostar, das fortschrittlichste Wettkampf-Flugzeug seiner Zeit und wurde zur Leitfigur des deutschen Flugsports: Nie wieder haben deutsche Teams im Kunstflug ähnliche Erfolge erzielt wie unter Wolfrums Führung.

Aber das war sein zweites Leben; das erste war gnadenlos: Er war ein Pfarrersohn und sein Vater gehörte zu den führenden Köpfen der (evangelischen) Bekennenden Kirche in Franken, der deshalb von der Gestapo verhaftet wurde. Dennoch meldete Walter Wolfrum sich als Abiturient freiwillig zur Luftwaffe, zu Lebzeiten von Mölders. Im Februar 1943 kam er als junger Jagdflieger an die Ostfront, wo sich gerade die Katastrophe von Stalingrad vollendet hatte. Er wird schwer verwundet, kehrt aber ins Geschwader zurück. Knapp 21-jährig führt er bereits eine Staffel und erzielt gegen drückende sowjetische und amerikanische Übermacht 137 Luftsiege, wobei er zwöfmal abgeschossen wird. Bei Kriegsende ist er einer von zwei Überlebenden seines Jahrgangs in der Flugzeugführer-Ausbildung.

Sein Leben als Flieger und Offizier soll nicht als Parallele zu dem von Werner Mölders verstanden werden. Schon die Ebenen und der Grad der Verantwortung beider am Ende ihres militärischen Dienstes sind zu unterschiedlich. Aber Mölders hätte im weiteren Kriegsverlauf für einen wie Wolfrum Verantwortung getragen, hätte dessen heldenhafte Bewährung gesehen - wie die vieler Soldaten in Heer, Luftwaffe und Marine - und trotzdem erkennen müssen, daß herausragende soldatische Leistung nicht genügte, um den Zusammenbruch im Osten und mehr noch im Westen zu verhindern. Trotz solcher Leistungen haben die Ressourcen nicht ausgereicht, wurde der Wahnwitz des NS-Regimes, einen Weltkrieg anzuzetteln und sich auf das Blitzkriegskonzept zu verlassen, immer klarer - und es gab kein Entrinnen. Als General der Jagdflieger hatte Mölders sich damit nicht mehr als ein “ausführender” Geschwaderkommodore, sondern als Angehöriger der obersten Führungsebene auseinander zu setzen und er begann, seine Beurteilung der drohenden Unterlegenheit in der Luft gegenüber der NS-Führung zu formulieren. Wenn der Tod ihm nicht ein frühes Ende gesetzt hätte, wäre er von ihr, die von der Wahrheit nichts wissen wollte, kaltgestellt worden.

Angaben zu Walter Wolfrum aus dem Prospekt des Buches “Unbekannte Pflicht - Meine Erinnerungen als Jagd- und Kunstflieger 1923-2009”, herausgegeben von Peter Cronauer im Verlag NeunundzwanzigSechs, ISBN 978-3-9811615-4-0